Pages to the People

Wo sich buchstäblich die Geister scheiden

Juli 2011. Ein Thema liegt mir ja schon seit längerem auf der Zunge. Irgendwann (genau genommen gestern) konnte ich meine Schreibwut nicht mehr zügeln und musste meine bescheidenen Gedanken dazu "zu Papier" bringen. Achtung! Im nachfolgenden Text schwingen leichte Nuancen von Zynismus, Sarkasmus und Ironie mit! Wenn Sie esoterisch veranlagt sind und keine starken Nerven haben: Bitte nicht weiterlesen!

 

 

Versuche niemals jemanden so zu machen, wie du selbst bist.

Du solltest wissen, dass einer von deiner Sorte genug ist.

 

 Ralph Waldo Emerson

 

 

In letzter Zeit wurde ich immer häufiger mit einem besonderen Phänomen konfrontiert, das momentan in aller Munde ist: Tierkommunikation. Um dieses Thema ranken sich unzählige Geschichten und Erlebnisse und die Zahl der Anhänger dieser Methode wächst stetig. Mit seinem Pferd zu „kommunizieren“ liegt gerade voll im Trend.

 

Ich geb zu: Am Anfang war ich auch neugierig, was dahinter steckt. Ein „Gespräch“ mit dem Pferd? Leute, die in Begeisterungstürme ausbrechen, wenn das Wort „Kommunikation“ fällt und von bahnbrechenden Schilderungen ihres Vierbeiners sprechen, die dabei zutage getreten sind. Tiere, die sich endlich – nach so langer Zeit des Nichtsprechens - verstanden fühlen und offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse reden können. Als der Hype darum immer größere Ausmaße annahm und immer mehr erfahrene „Horsewomen“ sich dessen verschrieben, wollte ich natürlich wissen, was dahinter steckt. By the way: Interessant ist die Tatsache, dass es sich offenbar um ein weibliches Phänomen handelt, Männer sind prinzipiell eher Cowboys – da kriegt der Gaul mal was hinter die Löffel und gut ist – da wird net großartig telepathisch drumrumgeredet.

Ich hab mich also umgehört und die Kontaktdaten eines solchen „Mediums“ erhalten, dessen Arbeit wohl einen guten Ruf genießt. Als ich dort mal nachfragte, was man denn so geboten bekommt und in welchem Preisrahmen sich so was bewegt, war ich erst mal erstaunt. 40 Euronen für durchschnittlich 2 DIN-A4-Seiten, betippselt mit Worten, die den gedanklichen Dialog zwischen Kommunikator(in) und Pferd darstellen. Inklusive ist natürlich die Option, Fragen an sein Pferd zu stellen, das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte ja schon stimmen.

 

Hallo? 40 Euronen? Ich rechne mal schnell nach, wie lange ich früher zu Kellnerzeiten dafür hätte arbeiten müssen (die Betonung liegt auf „arbeiten“)…5 (!) Stunden Arbeit, körperlich anstrengend und psychisch herausfordernd - man denke nur mal an all die besoffenen, bierbäuchigen Glatzköpfe, die einen mit Bierfahne und schwülstigen abgedroschenen Anmachsprüchen „umwerben“. Vierzig (womöglich noch unversteuerte) Euronen für 1 – 2 Stunden Konzentrations- und Tipparbeit sind da wahrlich gerechtfertigt…Naja, meine erste Neugierde war damit erst mal verflogen. Vielleicht hätte ich mir damals für 10 Euronen dieses Erlebnis gegönnt, aber nach kurzer Zeit (in der mir die Auswüchse dieses Themas echt schon unheimlich wurden) kam ich zu dem Schluss, dass mir weder ein einzelnes "Gespräch" noch ein ganzer Kurs dieses Geld wert sind und ich es lieber in ein handfestes Schminkköfferchen investieren würde, bevor ich es dafür ausgebe. Alle, die mich kennen, wissen ja, wieviel Wert ich auf Auftakeln lege *hüstel*. 

 

 

Die schwierigste Turnübung ist immer noch,

sich selbst auf den Arm zu nehmen.

 

Werner Finck

 

 

Statt mich der Tiertelepathie hinzugeben, nahm ich mit Dinah an einem Kurs mit der Verhaltensbiologin Marlitt Wendt teil, wo wir uns mit greifbaren Dingen wie Mikro- und Makromimik des Pferdes, verschiedenste Lern- und Stresstypen und Pferdeverhalten generell befassten. Nicht, dass ich seit damals mein Pferd nun lückenlos „lesen“ kann und immer vorhersehe, was es im nächsten Moment tun wird. Nein, das nicht, aber dieser Kurs hat zumindest mal meine Wahrnehmung geschult und ich bemühe mich seitdem das umzusetzen. Kommunikation findet nämlich immer statt, nicht zur von Pferdefoto zu Kommunikator (klingt fast wie Terminator, oder?). Pferde interagieren mit uns, sie reagieren auf Körpersprache, fassen unsere Stimmung auf und senden unaufhörlich Signale, die anzeigen, in welchem Gemütszustand sie sich befinden.

Dazu kommt, dass man einzelne Signale niemals isoliert sehen darf, sondern im Kontext betrachten muss. Ebenso sollte man sich nicht von seinen "menschlichen" Gefühlsregungen und -eindrücken in die Irre führen lassen, was allzu gerne passiert. Die Objektivität zum Beurteilen einer Situation sollte niemals flöten gehten, weil dann den Vorurteilen und Unterstellungen Tür und Tor geöffnet wird (man beachte folgendes Zitat, in dem sicher ein Funken Wahrheit steckt ;)). Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es in unserem Fall wohl noch viel Zeit braucht, bis ich möglichst viele Signale deuten und das Training entsprechend anpassen kann. Aber offenbar mach ich es mir wieder viel komplizierter als notwendig. Ich könnt mich einfach an Monty Roberts halten - der hat die gesamte Pferdesprache auf 170 Zeichen eingegrenzt. Da wird’s ja wohl möglich sein, die in einem Menschenleben zu erlernen ;) Naja…zurück zum Thema. Ich war ja bei der Tierkommunikation… 

 

 

Unter Intuition versteht man die Fähigkeit gewisser Leute,

eine Lage in Sekundenschnelle falsch zu beurteilen.

 

Friedrich Dürrenmatt

 

Jedenfalls versuchte ich dieses Thema auszublenden und es streifte mich erst wieder etwas intensiver als ich bei einer Bekannten zu Besuch war. Die hielt mir damals voller Stolz einen handgeschriebenen Zettel unters Gesicht und ich durfte erstmals Anteil nehmen an diesem außergewöhnlichem Phänomen. Ein Gespräch zwischen einer Stute und einem mit ihr befreundeten weiblichen "Medium".

 

Da hielt ich erstmals ein Dokument in den Händen, welches das mystische Geschöpf Pferd - ein Wesen, welches aus einer Handvoll Wind erschaffen wurde, die Schätze dieser Erde zwischen den Augen mit sich herumträgt und die Kraft zu fliegen besitzt, ohne, dass ihm Flügel wachsen müssen - bei seinem Dialog mit dem Geschöpf Was-kostet-die-Welt-ich-nehm-die-Hälfte (= Mensch) festhielt. Ich hatte beim Lesen zwar eher das Gefühl, als hätte ein 6-Jähriger seine Unterhaltung mit seiner Blindschleiche aufgezeichnet, aber der Wahrheitsgehalt dieser geschriebenen Worte war für alle überzeugten Beteiligten unbestritten.

 

 

Zynismus: ein Ding zu betrachten, wie es wirklich ist,

und nicht, wie es sein sollte.

 

Oscar Wilde

 

 

Letztendlich wurde ganz banal die Frage gestellt, ob die Stute sich vorstellen könnte, ein Fohlen zu bekommen. Woraufhin die Stute fragte, was denn ein Fohlen sei. Die Kommunikationsbefähigte war dann so lieb und klärte die Stute mittleren Alters über dieses Versäumnis auf: Von einem Pferdekind sei die Rede. Die Stute schien erfreut (was man aus den geschriebenen Worten entnehmen konnte): Natürlich wollte sie so was haben, aber nur, wenn sie es behalten darf. Aber sicher doch…  

 

So einfach ist es also, sich die Erlaubnis der eigenen Stute zu holen. Wieder was gelernt und dem Deckakt stand nun auch nichts mehr im Wege. Im Zuge dieser Recherchen trat die Pferdebesitzerin mit dem Zuchtverband im Ausland in Kontakt, der ihr zu ihrer Überraschung mitteilte, dass besagte Stute bereits 2 registrierte Fohlen hatte. Hmm…wie jetzt…die konnte doch mit dem Wort „Fohlen“ nichts anfangen…hat die das psychisch verdrängt – solls ja bei den Menschen auch geben. Tatsächlich wunderte sich die Pferdebesitzerin nun auch und fragte bei der Freundin nach. Die erklärte daraufhin recht trocken: Das sei in der Tat seltsam, aber offenbar habe es sich um ein Verständnisproblem gehandelt…wahrscheinlich hätte die Stute einfach mit dem deutschen Wort für Pferdekind (= Fohlen) nichts anfangen können, man hätte es wohl übersetzen müssen…tja, was sagt man dazu? (Wir lassen den Umstand mal außen vor, dass die restliche Kommunikation auf Deutsch wohl bestens vom Pferd verstanden wurde, aber vom Wort Fohlen hatte es noch nie was gehört.)

Mystisch und geheimnisvoll

Mir fiel sprichwörtlich die Kinnlade runter. Das ist DIE Erklärung schlechthin! Nicht nur für diesen Fall, nein - auch für ganz viele andere „Kommunikationsprobleme“ zwischen Mensch und Pferd. Deshalb mein Aufruf: Liebe Pferdebesitzer, um solche Missverständnisse zu vermeiden, eignet euch doch bitte die Muttersprache eurer Pferde an. Ich versuche zukünftig meine Konversationen mit Dinah auch auf Hochdeutsch zu führen (sie ist ja gebürtige Norddeutsche), vielleicht lösen sich dann gewisse Missverständnisse einfach in Luft auf? Wieso komm’ ich da nicht schon viel früher drauf? Bei meinem „stoasteirischen“ Dialekt kann man als Pferd schon leicht mal vermuten, dass der 2-Beiner was auf Suaheli daherfaselt, obwohl er lediglich ein paar Konsonanten verschluckt und Vokabeln in die Länge zieht…Da brauch ich mich echt nicht wundern, dass wir aneinander vorbeireden. Aber ich gelobe Besserung, versprochen. 

 

 

In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen,

ist schon ein Widerspruch in sich.

 

Voltaire

 

 

Ich hör jetzt schon die Aufschreie von überzeugten TK-Anhängern (sofern sich von denen überhaupt jemand auf diese HP verirrt...), dass das wohl eines der schwarzen Schafe unter den vielen Tierkommunikatoren ist und es auch „seriöse“ Anbieter dieser Leistung gibt …stimmt, danke – die schwarzen Schafe gibt’s ja bekanntlich überall, man sollte nicht gleich ein ganzes Betätigungsfeld in die Tonne treten.

 

Aber nun mal ganz objektiv und ohne sarakastischen Unterton: Wenn diese morphischen Felder tatsächlich existent sind (ich sag ja nicht, dass da nichts ist, nur weil wir noch keinen Weg gefunden haben, es zu beweisen), dann wäre es doch wohl wesentlich einfacher dem Vierbeiner direkt gegenüberzustehen, um dort mögliche Schwingungen aufnehmen und interpretieren zu können, oder? Wie so was mit einem stinknormalen Foto funktionieren soll, wird mir wohl ewig schleierhaft bleiben. Aber gut, ich als Naturwissenschaftsfan und gelernte Chemie-Ingenieurin bin da wohl kein Maßstab. Offenbar hat sich mir dieser Zugang zu Pferden oder allgemein zu Tieren noch nicht offenbart. Laut Aussagen von Überzeugten und Vorreitern auf diesem Gebiet verlernen wir diese Fähigkeit ja im Laufe unserer Lebens, weil Kinder können das noch! 

 

 

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,

aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

 

Albert Einstein

 

 

Hmm, wenn ich genauer drüber nachdenke, hab ich als Kind tatsächlich den Wind angefleht, dass er mich davontragen soll und alle meine Viecher zugebrabbelt. Kann mich aber nicht erinnern, dass da jemals was retour gekommen wär und mir ein Karnickel einen Witz erzählt hätte oder so… Und heute? Selbst wenn ich direkt danebenstehe, empfange ich weder Worte noch Sätze oder sogar Bilder von Dinah. Wie auch? Hab mir ja erst mühsam abgewöhnen müssen, den Stimmen, die jahrelang in meinem Kopf lauerten, nicht immer sofort Folge zu leisten. Heute passiert mir das lediglich noch, wenns ums Essen geht. Da bin ich echt nicht Herr meiner Sinne - da ergreifen die schwarzen Synapsen-Malträtierer hin und wieder die Macht. Ach ja, ich wollte eigentlich ganz objektiv bleiben - sorry, ohne sarkastischen Unterton geht’s wohl doch nicht ;)

 

Aber nun mal wirklich ganz im Ernst (oder Hugo): Offenbar gehöre ich nicht zu den „Auserwählten“, die mit dieser Gabe von oben betraut wurden. Egal – kann ich auch ganz gut damit leben…wenn ich wollte, könnte ich es ja in einem Wochenendkurs erlernen.

 

 

Die Kunst der Weisheit besteht darin,

zu wissen, was man übersehen muss.

 

William James

 

 

Was mich immer wieder in Verwunderung und Erstaunen versetzt, ist, was für schöne Geschichten unsere Pferde zu erzählen haben. Und wer mal "kommuniziert" hat, muss sich ja zwangsläufig fragen, wie man das pferdische Vokabular auf etwa 170 Begriffe/Zeichen (was auch immer), wie uns Herr Roberts weismachen möchte, eingrenzen konnte. Die Viecher sind ja anscheinend wandelte Lexika. Solch erstaunliche Intelligenzleistungen sind wirklich unglaublich und sollten wohl genügend Stoff liefern, um die moderne Verhaltensforschung bei Pferden grundlegend zu revolutionieren.

 

Ich hätte mir durchaus vorstellen können, dass Pferde in Punkterlschrift kommunizieren, oder eine Form des Morsealpahets mit Blinzeln und Hautzucken beherrschen, um mit uns Kontakt aufzunehmen (ich werd mal Dinah's Botschaften versuchen zu entschlüsseln). Vielleicht bedeuten die Worte oder Bilder, die das „Medium“ erreichen, was gänzlich anderes. Beispiel: "Kübel" (egal ob Bild oder Wort, um jetzt mal das Beispiel weiterzuspinnen) steht womöglich für den pferdischen Begriff "Blase" (Auffanggefäß ist Auffanggefäß, oder?), was uns zum Ausscheidungsorgan führt, welches vielleicht wieder als Synonym für "Kastration" steht? Womöglich philosophiert der Wallach gerade drüber, dass ein Leben als Eunuche auch seine Vorteile hat und unsereiner interpretiert das Wort Kübel als: Pferd möchte nicht mehr aus dem Selbsttränker sondern aus dem Kübel trinken. Und der Praxistest beweist: Lässt man den Pferden die Wahl zwischen Selbsttränker und Kübel, ziehen sie den Kübel vor. Die Beweisführung ist abgeschlossen.

 

 

Schließlich ist ja der Umstand, dass die Welt

mitsamt den meisten Intellektuellen verrückt geworden ist,

noch kein Grund, nun das Denken auch von uns aus aufzugeben.

 

Max Horkheimer

 

Aber, aber – natürlich können tausende von Pferdebesitzern nicht irren! Der 2. Weltkrieg beweist ja auch eindrucksvoll, dass eine Meinung an "Richtigkeit" gewinnt, je mehr Leute davon überzeugt sind. Aber selbstverständlich kann man das nicht vergleichen: Wenn man 2 DIN-A4-Seiten mit Details erhält, die sonst niemand weiß, außer der Pferdebesitzer selbst, dann kann nicht nur, sondern muss sogar was dran sein. Noch dazu passt jedesmal das Profil, das erstellt wurde, wie die Faust aufs Auge, und man findet sein Pferd in allen Punkten wieder. Wie kann man die Existenz eines solchen „Faktums“ dann noch bestreiten? Natürlich ist es nicht möglich bestimmte Wesenszüge eines Pferdes oder physische Beschaffenheiten aufgrund eines Fotos einzuschätzen. Wer käme bei diesem Bild schon drauf, dass es sich um ein aufgewecktes, neugieriges Pferd handelt?

Ich hatte schon ein paar TK’s in den Händen und war immer wieder ganz erstaunt, wie viel man da offenbar herauslesen kann, was auf die Vierbeiner zutreffen soll. Hmmm…mein Horizont (oder vielleicht eher meine Fantasie) reicht da bei weitem nicht aus, diese Botschaften zu entziffern, die da teilweise aus den Aufzeichnungen entnommen werden. Mein Dank gilt an dieser Stelle unserem Physiklaboranten-Lehrling in der Firma, ohne den ich hätte dumm sterben müssen. Der hat mal was äußerst Interessantes erwähnt, währenddessen wir beide uns köstlich über den Verkauf von „gechannelten“ Polstern amüsiert haben, die das Vielfache eines „normalen“ kosten (und ja, es gibt tatsächlich Leute, die dafür Kohle über den Tisch wandern lassen!).

 

 

Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt,

das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß.

Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda

auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken

und diese schlagwortartig so lange zu verwerten,

 bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Wort

das Gewollte sich vorzustellen vermag.

 

Adolf Hitler

 

 

Die Rede ist vom „Barnum-Effekt“. Ein gewisser Herr Meehl hat eine interessante Entdeckung gemacht: Der Barnum-Effekt beschreibt die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu akzeptieren. Ein Schelm, der Böses denkt? Ich behaupte damit nicht, dass „Anhänger“ der Tierkommunikation von diesem Effekt heimgesucht werden (immerhin handelt es sich ja um Tiere und nicht um Menschen), aber man sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Möglichkeit durchaus bestehen könnte…

 

Nachdem die Szene wächst und wächst und ich immer öfter damit in Berührung gekommen bin, hab ich einer Freundin angeboten einen Dialog mit Dinah zu führen. Was hätte ich schon verlieren können, außer mein Vertrauen in mein Weltbild und in große Bereiche der Wissenschaft? Im schlimmsten Fall wär ich auf den Esozug aufgesprungen, hätte mich von Licht ernährt und weder Stuhl noch Urin unter mir gelassen. Nachdem es mich nichts kostete, ließ ich mich auf dieses Experiment ein und wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

 

 

Um das Herz und den Verstand eines Menschen zu verstehen,

schaue nicht darauf, was er erreicht hat,

sondern wonach er sich sehnt.

 

Khalil Gibran

 

 

Fast schon verzweifelt suchte ich nach DER Phrase, nach DEM Beweis, der all mein bisheriges Gedankengut zum Erschüttern bringen sollte. Aber ich muss wohl weiter an meinem Weltbild festhalten, das ich über Jahre in Schulen eingedrillt bekommen hab. Ich bin und bleibe wohl ein Jünger der Naturwissenschaftssekte und kann diesem Esokram (zumindest in dieser kommerzialisierten, hochstilisierten und durch nichts-und-niemanden-in-Frage-stellender Form) einfach nichts abgewinnen, geschweige denn meinen Umgang mit dem Pferd danach ausrichten, noch weitgreifende Entscheidungen aufgrund so einer "Unterhaltung" treffen. Einige Dinge konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, aber gut - ich verstehs wohl einfach nicht. Natürlich hab ich mich für die Zeit bedankt, die sie sich dafür genommen hat, aber damit hat sich die Sache für mich nun erledigt. Also man kann mir nicht vorwerfen, dass ich hier von Dingen schreibe, von denen ich keine Ahnung hätte (zumindest aus Kundensicht).

Was mich in diesem Zusammenhang interessiert: Wieso macht sich das Militär auf der ganzen Welt nicht diesen Vorteil zunutze? Foto vom Feind her…und schon weiß man, wo man sich strategisch am besten platziert...ah, ich vergaß: Das Gegenüber muss natürlich ins "Gespräch" einwilligen - ansonsten kommt da soviel rüber, wie Ohrenschmalz aus einem Nasenloch rauskommt.

 

Von mir aus kann ja jeder damit glücklich werden und darin seine Antworten finden, nach denen er sich so dringlichst sehnt, solange im Ernstfall de Tierarzt konsultiert bzw. fachlich qualifizierte Hilfe geholt wird. Ich finde es allerdings manchmal mehr als befremdlich, was da alles reininterpretiert wird in unsere geliebten Vierbeiner, oder wie gezielt nach Rechtfertigungen für das eigene Handeln oder Tun gesucht wird. Da entscheiden sich Pferde bewusst für ein Leben als Schlachtpferd…ja, ist klar. Da wird teilweise verharmlost und beschönigt, man lässt sich Entscheidungen abnehmen und übergibt die Verantwortung eigener Taten an andere. So kann man sich natürlich das Leben auch erleichtern.

 

Ein Pferd ist ein Pferd. Es handelt nach augenblicklichen Bedürfnissen, nicht mehr und nicht weniger. Zumindest hat mir bisher noch keiner glaubhaft vermitteln können, dass die Gäule ihre Schabracken nach jahreszeitlicher Farbkomposition aussuchen. Genauso nüchtern, wie ich ein Experiment im Labor betrachte, genauso objektiv möchte ich Gründe für Reaktionen bei Dinah hinterfragen können. 

 

 

Der zuverlässigste Weg, in die Zukunft zu sehen,

ist das Verstehen der Gegenwart...

 

John Naisbitt

 

 

Dazu fällt mir eine Geschichte aus meiner Ausbildung am Chemie-Kolleg ein: Im ersten Semester sollten wir eine Reihe anorganischer Versuche in Reagenzgläsern durchführen. Das, was wir beobachten würden, sollten wird möglichst detailgenau beschreiben. Ich machte mich also daran alles mögliche in Säuren und Basen zu werfen usw. und dokumentierte alle meine Beobachtungen gewissenhaft. Diese Aufzeichnungen wurden natürlich bewertet.

 

Als wir die Arbeiten zurückbekamen, ermahnte uns unser Lehrer allgemein, uns in unserem Tätigkeitsfeld nicht zu vorschnellen Schlussfolgerungen hinreißen zu lassen, die jeglicher Grundlage entbehren. Da wir ja noch ganz am Anfang unserer Ausbildung standen und über die stattgefunden Prozesse noch keinerlei theoretischen Background hatten, sondern lediglich unsere Beobachtungen zu Papier bringen sollten, konnten wir doch nicht einfach behaupten, dass dies oder jenes stattgefunden hätte, nur weil man das Wort vielleicht mal in einem anderen Zusammenhang aufgeschnappt hatte. Selbst wenn es so gewesen wäre…

 

 

Wissen nennen wir jenen kleinen Teil der Ungewissheit,

den wir geordnet und klassifiziert haben.

 

Ambrose Bierce

 

 

Wir sollten uns aber auf das Wesentliche beschränken, was wir mit Sicherheit sagen konnten, wie beispielsweise: die Lösung färbte sich grün. Daraus und aus weiterführenden Versuchen, aus reproduzierbaren Ergebnissen, messbaren Abläufen und einem entsprechenden Literaturstudium, bei dem man die Zusammenhänge verstehen lernt, könnte man dann im Detail erfassen, was wirklich passiert war. 

Das hat sich eingebrannt und so nebenbei bemerkt, wurde ich namentlich für meine nüchterne Herangehensweise gelobt bei dieser Arbeit. Ich erwähne das nicht, um mich besonders toll zu fühlen (was ich zweifellos damals tat ;)), sondern um zu verdeutlichen, dass mir offenbar dieser Zugang zu Materie (und Antimaterie) im Blut liegt bzw. er erfolgreich in den Jahren meiner Schulbildung in mein Gehirn impliziert worden ist. Womöglich gibt es da etwas, was uns bisher noch nicht gelungen ist, nachzuweisen - davon lebt ja die Wissenschaft und die ist sicher nicht allwissend. Vielleicht ist die TK in 20 Jahren weltweit genauso anerkannt wie es die Akupunktur inzwischen ist? Wer weiß - dann schreibe ich einen neuen Text mit dem Titel: "Die Wissenschaft, sie ist und bleibt, was einer ab vom andern schreibt - doch trotzdem ist, ganz unbestritten, sie immer weiter fortgeschritten." (Eugen Roth).

 

 

Was wir wissen, ist ein Tropfen;

was wir nicht wissen, ein Ozean.

 

Isaac Newton

 

 

Solange sich die Beweisführung diesbezüglich allerdings im wissenschaftlichen Niemandsland befindet und die Praxisbeispiele sich gegenseitig an Manipulation und blumigen Umschreibungen übertreffen, verlasse ich mich lieber auf die bisher festgehaltenen Fakten, suche und finde darin die logischen Erklärungen, die ich vorerst benötige für mein Dasein und bin trotzdem glücklich. Die Seele meines Pferdes offenbart sich mir sicher auch auf andere Weise...  

 

Auch wenn in den Naturwissenschaften „nur“ mit Erklärungsmodellen gearbeitet wird, so bestätigen Ergebnisse die Thesen und sind empirisch belegt. Und dort, wo es hakt, tüfteln Wissenschafter, um auch das Geheimnis zu lüften. Ein Spruch lautet: Es gibt ebenso wenig die 100%ige Wahrheit, wie 100%igen Alkohol. Aber ich begnüge mich vorerst auch vollauf mit 98 %. Und über die restlichen 2 % dürfen sich ruhig die Gedanken machen, die das Talent und die Gabe dazu haben…

 

Anmerkung: Das Wort "derrisch" bedeutet im Hochdeutschen soviel wie "taub". Dadurch erklärt sich auch die Bedeutung der Wortschöpfung "esoderrisch".

 

Was unterscheidet Wissenschaft von Pseudowissenschaft?

 

PS: Auch hier gibt es eine Kommentarfunktion ;) Falls mir also jemand mal ordentlich den Marsch blasen will, bitte sehr: 

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Kommentare: 2

  • #1

    paddy3105 (Dienstag, 04 Oktober 2011 13:10)

    hallöchen conny
    ich kann dir nur zustimmen (-:
    wirklich !!!

  • #2

    Alena Schulz (Montag, 27 Februar 2012)

    Sehe ich genauso. Oft enthalten solche Tierkommunikationsberichte auch etliche Informationen aus der Vergangenheit des Pferdes, die sich schlichtweg nicht mehr nachvollziehen und damit falsifizieren lassen (z.B. wurde von einem Bereiter ganz schrecklich gefordert und überanstrengt) und die die Besitzer auch nur allzu gern als wahr annehmen, weil sie damit eine Entschuldigung für Verhaltensweisen des Pferdes haben, die dann nicht mehr auf ihre Kappe gehen (z. B. Steigen oder Buckeln oder ähnliches). Das ist ja auch so ein beliebtes Reiterphänomen - es war der Vorbesitzer/Ausbilder/die Reitbeteilung oder im Notfall auch mal der unpassende Sattel, aber niemals der Pferdebesitzer selbst.

    Eine kleine Anekdote zum Thema Tierkommunikation noch. Mein Pferd ging letztes Jahr im Sommer ziemlich diffus lahm (mal lahm, mal nicht, immer nur am Anfang der Reiteinheit etc) auf einem Bein, an dem er schon einen Vorschaden hatte. Ich war bereits geneigt, doch lieber wieder einmal der Klinik einen Besuch abzustatten, als eine Stallkollegin mir ihre "Geisteschirurgin" aufdrängte. Ich war dagegen, für so einen Unfug Geld auszugeben. Sie bot an, as Gesrpäch zu bezahlen, sollte es nicht zum Erfolg führen. Ich willigte ein und so fand das Gespräch der Geistheilerin mit meinem Pferd statt, während meine Bekannte live am Telefon mit der Geistheilerin sprach.

    Meine Bekannte berichtete mir dann, die Lahmheit resultiere aus psychischer Unsicherheit, denn mein Pferd hätte immer große Angst, ich würde es nicht mehr lieben wenn es keine Leistung bringt, und deshalb würde es sich immer besonders anstrengen und damit auch überanstrengen. Alles aus der Angst heraus, ich könnte es abschieben. Die Lösung bekam ich gleich dazu: Ich sollte "spagyrische Tropfen" füttern die gegen diese Verlustängste wirken. Auf meine Frage, warum Frau Geistheilerin dem Pferd nicht direkt gesagt hätte, dass ich es nicht verkaufen werde, erhielt ich die Antwort, das ginge so nicht, weil die Kommunikation ja anders funktioniere und mehr über Bilder, als über Sprache, und das Pferd außerdem ja nicht unbedingt glaubt, was man ihm "sagt".
    Ich fragte noch, ob denn auch eine körperliche Ursache für die Lahmheit vorliegen könnte, und dies wurde deutlich verneint, ich bräuchte mir diesbezüglich keine Sorgen machen.

    Das tat ich Gott sei Dank trotzdem, und fuhr in die Klinik. Ergebnis: Ein massiver Fesselträgerschaden, also ein riesiges flüssigkeitsgefülltes Loch.

    Die Wette hatte ich dann wohl gewonnen. Zumal mein Pferd sicher das letzte ist, das Angst haben könnte, ich würde es verkaufen, wenn es keine Leistung bringt. Denn ich habe genauso viel Spaß, einfach nur herumzutüddeln und zu Clickern, und bin alles andere als ehrgeizig ;-)

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