Alex und Jimmy bei der Barhufpflege
"Ich wusste gar nicht, dass man ein Pferd ohne Eisen reiten kann?" Diese und ähnlich abenteuerliche Aussagen nahm ich von unwissenden Nicht-Reitern schmunzelnd zur Kenntnis. Verwundert, fast schon geschockt hat mich aber, dass diese Auffassung auch in Reiterkreisen weiter verbreitet ist, als ich mir je hätte vorstellen können. Wieso bekommen 3-jährige Pferde schon ihre ersten Eisen, wenn das Hufwachstum erst mich 5 Jahre abgeschlossen ist?
Es mag sein, dass es Pferde gibt, die nicht ohne Eisen laufen, geschweige denn geritten oder gefahren werden können. In solchen Fällen würde ein orthopädischer Hufbeschlag, der genau diese Defizite auszugleichen versucht ja noch Sinn machen, allerdings ist sicher für den Großteil der Freizeitpferde diese Maßnahme unnötig. Die Reitplätze sind mit weichem Material ausgestattet, Boxen oder Laufställe ebenso. Weideböden sind in der Regel sehr weich und federnd.
Die meisten Meinungen kommen zustande, indem man vergißt,
wo man sie gehört oder gelesen hat.
Moritz Heimann
Wozu also Eisen?
DAS Hauptargument ist vor allem, dass die Pferde bei Bewegung auf steinigem, unebenem Boden sehr fühlig und klamm gehen. Ist das wirklich so? Was tun die wilden Artverwandten? Abgesehen davon, dass diese Pferde kein Reitergewicht tragen müssen, legen sie doch täglich enorme Strecken zur Deckung ihrer Bedürfnisse auf unterschiedlichsten Böden zurück. Und keines davon trägt Eisen. Unsere domestizierten Pferde sind heutzutage in den wenigsten Fällen diesen Bedingungen ausgesetzt - die allermeisten fristen ihr Dasein ja in einer Box und werden bis auf die Pferde, die tatsächlich im Leistungssport gehen, in den meisten Fällen (sicher nicht in allen!) doch eher sporadisch auf weichem Untergrund bewegt. Also doch kein Vergleich mehr zu den früheren Anforderungen, denen ein Pferd vor der Kutsche oder im Krieg standhalten musste.
Dies sind noch die einleuchtendsten Gründe, die für das Anbringen eines Beschlags bei einem gesunden Pferd sprechen: Einmal können Pferde, die tatsächlich aufgrund ihrer Arbeit und Leistung, die sie erbringen müssen, gefährdet sind, dass sich das Horn über das Normalmaß abnutzt, damit vor Verschleiß und Schmerzen geschützt werden. Und zweitens kann mit derlei Manipulationen am Huf das Gangbild des Pferdes beeinflusst werden, indem zB durch Spezialbeschläge Abrollpunkte verlagert werden oder bestimmte Gewichtsverhältnisse für die geforderte Bewegungsdynamik zustande kommen uvm. Dinge, die vielleicht im Turniersport wichtig sind, um mit spektakulären Gängen und rasantem Tempo vorne mitreiten zu können, allerdings hält sich mein Ehrgeiz diesbezüglich schon lange in Grenzen, als dass ich meinem Pferd etwas in der Art aufbürden möchte bzw. ich mich nicht auf die naturgegebenen Verhältnisse einstellen kann und will. Optimieren ja, aber nicht um jeden Preis - gerade als Freizeitreiter überwiegen für mich die Vorteile des leistungsfähigen Barhufs.
Am meisten Energie vergeudet der Mensch mit der Lösung von Problemen,
die niemals auftreten werden.
Wiliam Somerset Maugham
So drängt sich mir und auch vielen anderen der Eindruck auf, dass viele der sogenannten Probleme, die immer wieder den unerlässlichen Einsatz des Beschlags empfehlen eher menschengemacht sind. Sei es durch ein Zucht, in der zu wenig Augenmerk auf einen funktionstüchtigen Huf gelegt wird oder fehlerhafter Aufzucht von Klein auf. Alles, was man am Fohlenhuf verabsäumt, rächt sich später im Pferdeleben.
Ich kann zB bei meinem Stütchen beobachten - sie ist ja noch jung und Barhufgänger (wird es auch bleiben) - dass ihr unebene und wechselnde Böden zwar etwas Geschick und Vorsicht abverlangen, aber sie nicht in diese Probleme hat wie viele ihrer Artgenossen, die vor ihrer Barhufkarriere beschlagen wurden. Deshalb liegt die Vermutung nahe bzw. es hat sich mittlerweile als fixe Tatsache erwiesen, dass selbst ein domestiziertes Pferd von Geburt an über relativ robuste und gesunde Hufe verfügt, die harten Bedingungen problemlos standhalten. Und es entspricht nur der Natur des Pferdes, wenn es auf grobem Schotter etc. vorsichtig voranschreitet, immerhin sind seine Beine sein Kapital und es muss darauf aufpassen. Mit Sicherheit sind einige Rassen eher für Probleme bezüglich Barhuflaufen disponiert - allein deshalb, weil in der Zucht darauf kein Wert gelegt wird bzw. andere Faktoren den Vorzug genießen in der Selektion.
Mit unbeschlagenen Hufen kratzt es sich leichter ;0) Die Falten sind mittlerweile verschwunden...
Grundvoraussetzung, dass gesunde Hufe ihre Fähigkeiten nicht verlieren und sich physiologisch richtig entwickeln können, ist eine artgerechte Aufzucht mit wechselnden Bodenverhältnissen und eine regelmäßige Hufkontrolle schon beim Fohlen und Jungpferd! Eventuelle Fehlstellungen können grade im ersten Lebensjahr noch sehr erfolgreich ausgemerzt und langsam einer gesunden Stellung angenähert werden.
Selbst bei nicht optimaler Hufbeschaffenheit können mit einer guten gekonnten (!) Barhufbearbeitung aber auch in Kombination mit Klebebeschlägen hervorragende Ergebnisse erzielt werden und die Pferde laufen problemlos ohne Eisen, sofern man als Besitzer Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Hufe nimmt. Denn eines darf man sowieso nie aus den Augen verlieren: Ein Pferd ist nicht zum Tragen eines Reiters geboren, und infolgedessen sind sämtliche Einrichtungen eines Pferdekörpers auf so manchen reiterlichen Anspruch nicht ausgerichtet. Ich persönlich könnte nicht mehr damit leben, dass mein Pferd ausschließlich mit Beschlag, der ja in vielen vielen Fällen wie eine Schmerztablette wirkt (und auch wirken soll), reitbar ist. Da würde ich mir die Frage stellen: Sollte dieses Pferd weiterhin ohne Rücksichtnahme so wie bisher geritten werden, wenn der Huf bzw. Bewegungsapparat offensichtlich diesen Ansprüchen nicht standhält? Es heißt doch: Ohne Huf kein Pferd.
Mit dem Wissen wächst der Zweifel.
Johann Wolfgang von Goethe
Woher kommt dieser Segen für Pferd und Reiter denn nun eigentlich?
Das ist und bleibt umstritten. Das genagelte Hufeisen, wie wir es heute kennen, soll allerdings in Europa entstanden sein. Sowohl die Kelten, Römer als auch Allemannen kommen dafür infrage. Davor behalf man sich mit Leder, Stroh, Bast und später den Hipposandalen, damit die Pferdehufe vor der gewaltigen Abnutzung des Horns geschützt wurden. Der Hufschutz war damals ein entscheidendes Kriterium dafür, ob man auf Kriegs- und Eroberungszügen erfolgreich war oder nicht. Die Pferdehufe damals mussten den widrigsten Bedingungen und der immensen Belastungen durch den Menschen standhalten.
Nach so vielen Jahrhunderten, in denen diese Erfindung erfolgreich der Zeit getrotzt hat, wissen wir heute allerdings, dass sich ein Eisenbeschlag negativ auf die gesamte Hufqualität auswirkt. Der Huf verliert seine natürliche Festigkeit und Elastizität und degeneriert mehr und mehr. Nimmt man einem über Jahre beschlagenem Pferd kurzerhand die Eisen ab, wird dieses wahrscheinlich gar nicht wissen, wie ihm geschieht. Ich würde vorschlagen, dass jeder mal seine Schuhe auszieht, und barfuss über eine Schotterstraße läuft...wenn man es nicht regelmäßig macht gleicht das ganze eher einem Spießrutenlauf als einem Joggen, oder?
Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut,
sondern auch für das, was man nicht tut.
Voltaire
Ute und Patricia bei Screamys Hufpflege
Als Quintessenz meiden solche Pferde steinige, schottrige Böden, was absolut verständlich ist. Aufgrund dessen empfindet der eine oder andere das als die Bestätigung dafür, dass man über all die Jahre beschlagen hat. Aber sind diese Pferde tatsächlich ungeeignet fürs Barhuflaufen - der natürlichsten Art sich auf 4 Beinen fortzubewegen? Oder sollte man ihnen nicht etwas Zeit geben? Klar ist, dass eine undurchdachte und rücksichtslose Umstellung auf Barhuf auch schlimm in die Hose gehen kann. Es darf weder am theoretischen Background, noch an der Rücksichtnahme und Geduld mangeln.
Leider ist es nach wie vor üblich, die Pferde erst wochenlang (im Durchschnitt 8 - 10 Wochen) mit ihrem teilweise fehlerhaften Hufwachstum und der unphysiologischen Belastung "alleine" zu lassen, ehe der Hufschmied oder Hufpfleger beim Termin die Hufe wieder aufs "Idealmaß" kürzt und beschneidet. Selbst wenn es sich dabei um Barhufbearbeitung handelt, kann diese Methode meiner Meinung nach nicht der ultimative Weg hin zum gesunden Huf sein und die Pferde gehen hinterher oft entsprechend schlecht. Bänder und Sehnen werden ständig in Mitleidenschaft gezogen. Das Pferd ist der beste Barometer - Hinschauen und Wahrnehmen!
Ich habe die Erfahrung bestätigt gesehen,
dass es hoffnungslose Situationen kaum gibt,
solange man sie nicht als solche akzeptiert.
Willy Brandt
Stattdessen sollte man Faktoren wie zB den Bodengegendruck nutzen und die Barhufpflege darauf ausrichten, dass der Huf sich selbstständig in eine optimale - physiologisch an das jeweilige Pferd und dessen restlichen Bewegungsapparat angepasste - Form läuft. Fernab von theoretischen Idealzuständen sollte jedes Pferd eine individuelle Bearbeitung erhalten, die sich an den jeweiligen Bedürfnissen und Problemen orientiert und dem Pferd dazu verhilft, dass der Huf von allein in die optimale Form (zurück)findet. Dh es ist auch nicht jede der unterschiedlichen Barhufbearbeitungen gleich gut für jedes Pferd geeignet - so zumindest die Erfahrungen aus meinem Umfeld.
Der Huf wird am Bock platziert
Umstellung auf Barhuf?
Wenn man bedenkt, dass der Huf 1 Jahr braucht, bis er sich von den Strapazen des Beschlags erholt und völlig regeniert hat, sollte man sicherlich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Der Huf benötigt diese Zeit, damit das Horn diesen einmal vollständig durchwachsen kann - erst dann ist man wieder da angelangt, wo das Pferd vor seinem ersten Beschlag in punkto Hufgesundheit stand. Statt gleich wieder Eisen draufzunageln und damit bewusst den Schmerz, der ja ein Anzeichen dafür ist, dass etwas nicht stimmt, auszuschalten, sollte man sich für diese Übergangszeit und spätere Mehrbelastungen (zB Wanderritte) Gedanken über einen alternativen Hufschutz machen. Hufschuhe wurden in den letzten Jahren in Bezug auf Gewicht, Komfort, Passgenauigkeit und Haltbarkeit optimiert, und es findet sich ein großes Sortiment am Markt. Sie dienen in erster Linie zur Kontrolle des natürlichen Abriebs, ohne, dass man bei Nicht-Beanspruchung des Pferdes zum permanenten Hufschutz gezwungen ist. Sie erleichtern in vielen Fällen die Umstellung, sofern das Pferd sich keinen gleitenden Gang angewöhnt hat, der sich zwangsläufig bei vielen beschlagenen Pferden ergibt. Kunststoff besitzt nämlich die Eigenschaft, dass er diese unnatürlich angewöhnten Gleitbewegungen abbremst - so eine abrupte Umstellung kann fatal für die Sehnen sein.
Ein Kluger bemerkt alles.
Ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen
Heinrich Heine
Wenn man dies beachtet sollte durch die Bearbeitung eine Hufqualität angestrebt werden, die es erlaubt, dass man mit der Zeit - ohne das Pferd zu quälen oder ihm zu schaden - auf den Einsatz von Hufschuhen verzichten kann. Ein gesunder, leistungsfähiger Barhuf dürfte maximal bei Belastungen, die über das Normalmaß hinausgehen oder extremen Bodenverhältnissen darauf angewiesen ist. Aber auch hier gilt: nicht pauschalisieren und sich auf jedem Fall am Pferd selbst orientieren.
In Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Barhufpfleger oder Hufschmied gelingt in den aller, allermeisten Fällen die Umstellung. GEDULD und auch ein bisschen Hausverstand sind unabdingbar, wenn es um die Belastung des Pferdes in der ersten Umstellungsphase geht und diese gelingen soll. Wenn jemand weder Zeit noch Muße hat, sich darüber Gedanken zu machen, dann ist nicht das Pferd Barhuf-ungeeignet, sondern der Besitzer selbst. Ebenso tragen Haltung und Fütterung ganz entscheidend zur Hufqualität bei. Oft ist bei plötzlich auftretender Schmerzhaftigkeit und klammen Gängen die Ursache in einer Futterumstellung zu suchen! Nähr- und Mineralstoffmängel als auch zu große Mengen bestimmter Nahrungsbestandteile können zu Hufproblemen führen. Beispielsweise kann zuviel Weißklee eine Photosensibilisierung bewirken - auch Trifiliose genannt - und auch Auslöser für Koliken oder Hufrehe sein. Wechselnde Bodenverhältnisse und artgerechte Haltungsbedingungen tragen bei der nötigen Sorgfalt ebenso ganz entscheidend zur Hufgesundheit bei.
Gesund lässt es sich umhertollen
Ich bin kein Fachmann diesbezüglich und behaupte das auch gar nicht! Auch verteufle ich nicht per se einen Hufbeschlag, nur die Tatsache, dass er in vielen Fällen einfach nicht nötig wäre, gibt mir zu denken. Mein Bestreben zum Wohl meines Pferdes zu handeln, lässt mich immer wieder an Althergebrachtem zweifeln. Mein Wissensdurst in diesen Belangen ist schier unersättlich.
Es kann Fälle geben, wo der ein oder andere Spezialbeschlag erforderlich ist, in den allermeisten Fällen sind es aber unsere Anforderungen an das Pferd, was permanenten Hufschutz auf den Plan ruft. Man sollte sich klar vor Augen führen, dass Hufschmiede - selbst wenn sie zum Wohle der Tiere handeln (wollen) - auch von etwas leben müssen, und in der Regel mehr mit einem Beschlag als mit Ausschneiden verdienen. In den allermeisten Fällen entspricht bei den Hufschmieden die Zubereitung eines Barhufs der eines Hufes, der beschlagen wird. Allerdings können und müssen bei einem Barhuf andere Kriterien und Bearbeitungsansätze beachtet werden. Hier sollte man sehr kritisch sein und sich nicht scheuen Fragen zu stellen, aus welchen Gründen ein Beschlag erfolgen soll, und vor allem wie das Ergebnis bzw. Resultat aussehen soll. Was erwartet man von einem Rehebeschlag? Wie sollen die Hufe nach einer bestimmten Zeit sein? uvm. Eventuell auch eine 2. unabhängige Meinung einholen, wenn man sich überrumpelt fühlt.
Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig,
was man mit ernsthafem Gesicht tut.
G. C. Lichtenberg
Was ich schon alles gesehen hab, was als "orthopädischer" Hufbeschlag gehandelt wird - da stellen sich selbst mir die Zehennägel auf! Dass diese Pferde entgegen ihrer natürlichen Bewegungsmechanik- und dynamik laufen, sieht man sogar mit relativ ungeschultem Blick. Da leidet nicht nur der Huf, sondern das ganze Pferd drunter. Beschlagsintervalle von 12 Wochen oder länger setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf! Die Pferde gehen nicht mehr durchs Leben, vielmehr balancieren sie.
August 2009
Wieso Barhuf?
In meiner Laufbahn habe ich selber sehr viele Fehler diesbezüglich begangen, weil ich es einfach nicht besser wusste und alte Traditionen einfach übernommen habe - zum Leidwesen meiner damaligen Pferde. Noch heute wird mir schwindlig davon, wenn ich dran denke, welche Methoden und Mittel mir damals eingeredet wurden, die ich auch noch teuer bezahlt hab. Heute komm ich mehr und mehr "back to the roots", deshalb kommt für mich bei meinem gesunden Pferd nur mehr die Barhufhaltung in Frage, da die Vorteile sich einfach nicht von der Hand weisen lassen:
Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit
Durch einen Beschlag verschlechtert sich die Qualität des Hufgewebes gravierend. Außerdem unterbinden Eisen eine funktionierende Stoßdämpfung - Erschütterungen werden nicht mehr vom Huf absorbiert und so ungefiltert auf den Bewegungsapparat des Pferdes weitergeleitet (diese Punkte gelten nicht für Kunststoffbeschläge). Sehnen, Bänder und Gelenke werden vor allem durch die rapide Umstellung beim neuerlichen Beschlagstermin arg in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Horn nicht kontinuierlich abnutzen kann.
Fortbewegung gewinnt an Qualität
Ohne das Gewicht des Eisens und mit einem natürlich geformten Huf kann das Pferd das gesamte Bein freier bewegen.
Trittsicherheit
Barhufpferde fühlen den Untergrund und die Rutschfestigkeit wird gewährleistet. Stolpereien gehören dann oftmals der Vergangenheit an. Die Pferde gehen wieder sorgsamer mit ihren Beinen um. Die Pferde schreiten oft freier und federnder voran und entwickeln ein völlig vergessen geglaubte Bewegungslust, Buckeln und Hüpfen wieder auf den Weiden umher.
Keine Einschränkung des Hufmechanismus
Durch das Ausdehnen und Zusammenziehen der Hornkapsel bei jedem einzelnen Schritt wird einerseits die Stoßdämpfung gewährleistet und andererseits die Blutzirkulation in den Gliedmaßen durch den Ansaugeffekt unterstützt.
Senken des Verletzungsrisikos
Sowohl die Artgenossen, als auch das Pferd selbst profitieren davon.
Flexibilität
Wenn man sich in punkto Hufbearbeitung ein Basiswissen aneignet, dann kann man als Pferdebesitzer gezielt eingreifen und die Hufe regelmäßig kontrollieren und notfalls korrigieren, um dem Pferd eine physiologisch bestmögliche Hufsituation zu ermöglichen. Man muss es nicht erst zu einem schlechten Hufzustand kommen lassen ehe man einen rapiden Stellungswechsel vornimmt.
Im übrigen gilt ja hier derjenige,
der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der,
der den Schmutz macht.
Kurt Tucholsky
Aber selbst bei der Barhufbearbeitung scheiden sich die Geister. Die Spanne reicht vor allem in Deutschland vom Hufpfleger, Huftechniker über den Hufheilpraktiker bis hin zum Huforthopäden. Mich persönlich hat die Huforthopädie nach Biernat am meisten angesprochen und auch Dinah kommt gut damit zurecht! Hierzulande sind gute Barhufbearbeiter rar und man kann sich daher kaum einen Überblick über die Pro & Contras der entsprechenden Bearbeitungsansätze in der Praxis verschaffen.
Bei Biernat wird so vorgegangen, dass der Huf von selbst in seine physiologisch richtige Form (zurück)findet ohne sich einem theoretischem Ideal zu verschreiben. Selbst Rehe-Pferde mit Hufbeinrotationen konnten damit ohne Spezialbeschlag wieder völlig rehabilitiert werden und sind schmerzfrei wieder reitbar. Für was man sich auch entscheidet, man sollte nicht darauf verzichten, sich selbst fortzubilden und die Augen und Ohren offenzuhalten. Es ist als Warnsignal zu sehen, wenn ein Pferd nach einem Hufpflegetermin beim Barhufpfleger als auch beim Hufschmied schlechter als vorher geht. Das darf keinesfalls verharmlost werden. Ausnahmen sind Pferde, die gerade von Beschlag auf Barhuf umgestellt werden, aber selbst da sollte man darauf bedacht sein dem Pferd Schmerzen bzw. die gefürchtete Huflederhautentzündung oder auch einen Hufabszess zu ersparen, indem man einen kompetenten Barhufbearbeiter zur Rate zieht und zB Hufschuhe in der Übergangszeit benutzt.
Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen.
Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.
Siddhartha Gautama
Meine Barhufbearbeiterin arbeitet nach den Biernat'schen Ansätzen. Hierzulande findet man fast niemanden, der sein Augenmerk auf eine sinnvolle Barhufbearbeitung legt - von einigen wenigen Ausnahmen (auch Hufschmiede) abgesehen. Diese Form der Hufbearbeitung und die damit verbundenen alternativen Ausbildungsmöglichkeiten sind rechtlich in Österreich nicht ausreichend anerkannt bzw. jede Form der Hufpflege ist den Hufschmieden vorbehalten. Das finde ich sehr schade, da hier dringend Handlungsbedarf nötig und auch der Bedarf an qualifizierten Barhufspezialisten vorhanden wäre.
Es gibt Leute, die sich damit noch viel ausführlicher als ich beschäftigt haben, und diese Gedanken auch in Worte gefasst haben. Ich arbeite ja noch dran ;)
Die Qualität der Fragen, die wir uns stellen,
bestimmt die Qualität unseres Lebens.
Anthony Robbins
All jene, die es interessiert und die mal über den Tellerrand hinaussehen wollen, kann ich folgende Seiten empfehlen, die sich eingehend mit dem Thema Barhuf befassen:
umfassend wird hier auf alles eingegangen, was das Thema Barhuf betrifft. Absolut lesenswert!
http://www.arianereaves.de/hufindex.html
Übersetzte Seite einer Idealisten aus Amerika. Toll!
http://www.pferde-lexikon.de/artikel_lesen--alles-zum-thema-barhuf--636.html
Empfehlenswerter Artikel, der kurz und prägnant mit den schlimmsten Vorurteilen aufräumt.