Oktober 2010. Im Jänner sprach mich meine liebe Freundin Verena darauf an, ob ich nicht Interesse hätte an einem Kurs mit der Verhaltensbiologin Marlitt Wendt mitzumachen. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme, kannte Marlitt's Ansätze ja schon von ihrer Homepage und ihrem ersten Buch: Wie Pferde fühlen und denken. Mit diesem Vorhaben vor Augen, fragten wir uns durch unsere Runde, ob denn noch jemand Interesse hätte, da wir 8 Teilnehmer mit Pferd benötigten, um überhaupt in Erwägung ziehen zu können, Marlitt aus dem Norden Deutschlands einfliegen zu lassen. Obwohl einige wieder abgesprungen sind, ließen sich dennoch genügend Interessenten finden, die mit ihrem Pferd anreisen wollten. Unserem Kurs stand also nichts mehr im Wege.
Der Optimist ist jemand,
der Kreuzworträtsel sofort mit dem Kugelschreiber ausfüllt.
Karl Farkas
Die Stallsuche gestaltete sich anfangs schwierig, eine Halle musste schon dabei sein um die Jahreszeit und dazu sollten noch 8 Gastboxen zur Verfügung stehen. Verena und Alex schafften auch das, und haben einen tollen Kursplatz aufgetrieben: Den Reitstall Ladler in St. Andrä am Sausal. Liebevoll wurden unsere Vierbeiner umsorgt, es fehlte ihnen an nichts und dazu standen noch ausreichend Koppeln zur Verfügung, dass sie sich die Beine vertreten konnten und nicht nur in ihren Boxen dahindümpeln mussten. Eine wirklich ganz tolle Atmosphäre und soviel Herzlichkeit, die uns da entgegenprallte - wir hätten es nicht besser treffen können.
Robert, Farouch und Marlitt
Der Kurs stand unter dem Motto: "Angewandte Pferdeethologie - eine interaktive Reise ins Pferdegehirn." Wir sollten erfahren, wie sowohl Gehirn als auch Gedächtnis des Pferdes funktionieren, wie Pferde am effektivsten lernen, welche Lerntypen es gibt usw. Allein diese Kursbeschreibung klang schon so spannend - der Kurs musste einfach gut werden.
Liebenswerterweise hat sich Verena's Mann Edgar bereit erklärt, meine Madame in das knapp 50 min. entfernte Kursdomizil zu chauffieren. Herzlichsten Dank nochmal dafür.
Am Tag vor der Abreise, brachte ich Dinah nochmal auf Hochglanz. Am nächsten Tag wollten wir sie noch bei Tageslicht verladen. Mit dem Hänger im Schlepptau kamen Edgar und ich im Stall an. Ich holte Dinah von der Koppel und packte sie in ihre Transportgamaschen ein. Mit einem Schwung stand sie am Hänger - das Training hat sich definitiv ausgezahlt. Die vielen Helferleins halfen mir mit der Stange und der Klappe hinten, während ich damit beschäftigt war Dinah vorne anzubinden und ununterbrochen zu clicken, Edgar nahm schon im Auto Platz. Dinah war zwar etwas gestresst - genauso wie ich ;) - aber sie bewahrte toll die Fassung. Dann ging die Fahrt los.
Von allen Sorgen, die ich mir machte,
sind die meisten nicht eingetroffen.
Sven Hedin
Nach knapp 50 min. kamen wir im Kursstall an. Dinah war aufgeregt, hatte aber im Laufe der Fahrt nicht geschwitzt. Brav ließ sie sich vom Hänger führen und schaute mal in die Runde. Lauter neue Pferdegesichter, alles neu, eine vielbefahrene Straße in unmittelbarer Nähe. Also ich glaube, man kann sagen, dass die Aufregung groß war. Zeitgleich kam auch Nathalie mit Skadi an und unsere zwei Damen bezogen nebeneinander eine Gastbox. Dinah wieherte sehr viel - ich hatte mit nichts anderem gerechnet, nachdem sie sehr herdenbezogen ist und ihr die Trennung von den anderen immer schwer fällt. Nachdem ich aber davon ausgehe, dass ich später noch den ein oder anderen Kurs mit ihr auswärts besuchen werde, wollte ich einfach schon jetzt damit anfangen, sie an diese ungewohnte und natürlich auch stressige Situation heranzuführen. Dieser Kurs würde sich dazu ja super eignen, weil wir alle individuell auf Dinah's Bedürfnisse eingehen konnten, ohne sie zu überfordern mit ihren 2,5 Jahren. Mit einer Verhaltensbiologin an unserer Seite würden wir das wohl hinkriegen.
Am Abend lernte ich dann auch gleich noch Marlitt kennen, die bereits einen Tag vor dem offiziellen Kurstermin angekommen war. Nachdem wir uns persönlich kennengelernt hatten, wusste ich: Das wird ein tolles Wochenende.
Beschränkte Erwartungen führen zu beschränkten Erfolg.
Susan L. Willig
Gloa, Verena und Marlitt
Freitag - der 1. Kurstag
Gegen 16:00 startete der Kurs. Neben 8 Teilnehmern mit Pferd hatten sich auch noch knapp 10 Theorieteilnehmer eingefunden. Wir starteten mit einer Vorstellrunde und Marlitt stieg daraufhin gleich in die Theorie ein. Vieles davon war mir bereits bekannt, wär ja auch tragisch, wenn aus all den Büchern nichts hängengeblieben wäre ;). Allerdings verstand es Marlitt Bekanntes und Neues so mit Bildern und Videos aufzubereiten, dass es spannend blieb und ich immer wieder Neues entdeckte. Die Runde schien gut zusammenzupassen und so schritten wir auch gleich noch am selben Abend zur Tat und stellten unsere Pferde vor. Dinah und Skadi sollten die ersten sein.
Dinah war bereits den ganzen Tag auf ihrer eigenen Koppel unterwegs, der Transport weg von ihrer Herde hatte aber deutliche Spuren hinterlassen. Sie wieherte am laufenden Band und wirkte einfach extrem gestresst. Dem entsprechend verlief auch die erste Praxiseinheit. Wir wollten uns einfach mal herantasten, wie die Pferde tickten. Marlitt musste sich ja erst mal vor Ort ein Bild von unseren Vierbeinern machen. Die Anspannung in Dinah äußerte sich vor allem in unzähligen Schnappattacken, Kopfschlenkern und Ärmel-Zwickern. Einmal biss sie mir auch ordentlich rein. Nachdem ich sie ja schon so gut kenne und von Vornherein wusste, dass diese Ausnahmesituation sie erst mal ordentlich aus der Routine bringen würde, blieb ich ruhig, ging einfach weiter und ignorierte ihre Attacken soweit wie möglich.
Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.
Carl Sandburg
Inzwischen fragte ich immer wieder mal ein sachtes Rückwärts bzw. ein entspannendes Kopfsenken ab, aber im Großen und Ganzen war sie unkonzentriert und gestresst. Marlitt gab mir noch den Tipp, dass ich nach vermehrten Clicks immer wieder mal mit ihr herumgehen soll, ohne sie großartig zu bestärken. Der Kontrast soll für Dinah deutlicher werden zwischen "jetzt gibts Aktion" und "jetzt ist nichts gefragt". Die Einheit war für uns auch bereits nach kurzer Zeit wieder beendet, wie generell an diesem Wochenende. Ihrem Alter entsprechend passten wir die Dauer der Praxiseinheiten an Dinah's Konzentrationsvermögen an.
Anfänge Hüfttarget
Hinterher beobachtete ich noch die anderen 6 Teilnehmer mit ihren Pferden. Es war interessant zu sehen, worin sich die einzelnen Charaktere unterschieden und wie die Pferde in der ungewohnten Umgebung reagierten. Manche stellten sich routiniert der Situation, andere zeigten ein deutlich höheres Stresslevel, welches Marlitt auch immer vor möglichst allen Teilnehmern interpretierte. Ein großes Thema des Kurses war, Stressanzeichen erkennen und deuten zu können um entsprechend zu handeln. Bei einem gemütlichen Buschenschankaufenthalt ging dieser erste Tag zu Ende.
Samstag - der 2. Kurstag
Ich war bereits schon wieder früh im Stall. Dinah schien sich besser mit der Situation arrangiert zu haben. Vor der vormittäglichen Praxiseinheit durfte sie wieder auf die Koppel um ihre Power loszuwerden. Inzwischen startete Marlitt mit dem 2. Theorieteil. Diesmal stand die Mikromimik der Pferde am Plan. Mit Hilfe von Bildern und Videos versuchte sie unseren Blick für freudige, ängstliche, aggressive und allgemein gestresste Pferde zu schulen. Indikatoren wie Auge, Maulpartie, Nüstern, Ohren, Schweif sollen nie isoliert betrachtet, sondern im Kontext gesehen werden. Angelegte Ohren bedeuten nicht zwangsläufig, dass wir es mit einem aggressiven Pferd zu tun haben - dies nur als ein einfaches Veranschaulichungsbeispiel. Ich musste erkennen, dass ich einige Dinge einfach übersehen hatte im Alltag, andere dafür wiederum überbewertete. Es wird wohl noch viel Übung brauchen, bis ich so gezielt die emotionale Verfassung eines Pferdes auf einen Blick erfassen kann. Oftmals erkennt man Stress nicht als solchen, obwohl sich das Pferd schon lange im Ausnahmemodus befindet.
Es hört doch jeder nur, was er versteht.
Johann Wolfgang von Goethe
Die anschließende Praxiseinheit fand diesmal in der Halle statt. Dinah präsentierte sich zwar wesentlich konzentrierter als am Vortag, aber Schnappen und Attacken auf den Leckerlibeutel waren unsere ständigen Begleiter. Marlitt baute verschiedene Spielestationen auf. Dinge wie Target, Ball, Hula Hoop, Kegel, Flatterbänder, Quietschapportel und Matte sollten uns ermöglichen zu erkennen, wie die Pferde an bestimmte Aufgaben herangehen, woran sie eher Interesse zeigen. Vor allem das Quietschapportel war eine neue Herausforderung für uns. Dinah kannte Apportieren schon in Ansätzen von daheim, allerdings ein lärmendes Spielzeug hatten wir bis dahin noch nie im Gebrauch gehabt. Vergnügt quietschte sie gegen Ende hin damit herum und Marlitt gab mir Feedback, wie ich das Apportieren ausbauen könnte. Wir erhielten Input, wie wir das Training gestalten können, ohne zu eintönig zu arbeiten und damit die Konzentrationsspanne zu überreizen.
Marlitt, Schnuff und Nadja beim Apportieren
Einmal stürzte sich Dinah vor den Augen aller Beteiligten auf den Leckerlibeutel - ein Phänomen, das ich bisher auf clickerkonforme Art nicht unter Kontrolle bekommen hab. Alex, eine der Teilnehmerinnen gab mir den Tipp, Dinah's Kopf mit einer imaginären Wand aus einem gespannten Seil (T'ai Chi Wall) und einem stabilen Stand meinerseits zu begrenzen. Ich solle einfach mal versuchen, die Situation neutral auszusitzen, ohne sie in dieses offensichtlich für sie selbstbestärkende Verhalten des in-den-Beutel-Beißens verfallen zu lassen. Mein vemeintliches Ignorieren war halt bisher nicht so, wie es sein sollte, da ich immer wieder die Tendenz hatte mich wegzudrehen, da ich fürchtete, dass sie mich aus Frust beißt bzw. tatsächlich mal was ergattert.
Sage mir, wer dich lobt,
und ich sage dir, worin dein Fehler besteht.
Wladimir Iljitsch Lenin
Marlitt pflichtete dem bei, dass ich es durchaus so mal versuchen könnte, mehr Distanz aufzubauen. Natürlich neigte Dinah in dieser Stresssituation viel mehr zum Schnappen und Beißen, als das zu Hause jemals der Fall wäre. Da mach ich immer wieder mal Höflichkeitstraining mit ihr, was sie auch sehr gut differenzieren kann und da kommen solche Ausfälligkeiten nur sporadisch vor. Aber ich bin über diesen neuen Ansatz sehr dankbar und werde es zukünftig mal mit dieser Variante probieren.
Verena und Gloa - Körpertargets
Es war wirklich sehr amüsant und gleichzeitig spannend, wie unterschiedlich die einzelnen Pferde mit den Aufgaben umgingen. Marlitt interpretierte es entsprechend und ich musste feststellen, dass Dinah doch immer wieder ziemlich rabiat an manche feinmotorische Aufgaben rangeht, wenn ich an das Tricktraining daheim denke. Da bin ich doch immer wieder wesentlich länger damit beschäftigt ihren Eifer in kontrollierte Bahnen zu lenken, während andere Pferde wesentlich behutsamer an solche Aufgaben herangehen und das Wenige kontrolliert anbieten.
Am Nachmittag machte mir Dinah's Allgemeinzustand Sorgen. Sie wieherte wieder viel und wirkte wieder sehr gestresst. Die nachmittägliche Einheit fiel dementsprechend sehr kurz aus und beeinhaltete nicht mehr als Kopfsenken, Rückwärts und Mattentraining, wo ich mit Leckerliduschen arbeitet, um Dinah's ständiges Neu-Sortieren der Beine in den Griff zu kriegen.
Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten,
die sie ihnen selbst anerzogen haben.
Marie von Ebner-Eschenbach
Nachdem sich Dinah offensichtlich auf der Koppel nachher nicht mehr wohl fühlte inmitten einer doch beträchtlichen Lärmkulisse, brachte ich sie zusammen mit Skadi in die Box, wo sie erst mal zur Ruhe kommen sollte und ihr Heu mümmeln konnte. Am Ende dieses Kurstages entschied ich mich dafür, Dinah bereits am nächsten Tag zu Mittag wieder heimzubringen und auf die nachmittägliche Praxiseinheit zu verzichten.
Der Kurstag klang mit Marlitts Ausführungen über Prompts und Fading aus, sie gab Tipps, wie man den Aufbau einer Verhaltenskette unterstützen kann. Wir besprachen nochmal das "konditionierte Zustandssignal", welches ich garantiert in unseren Alltag einbauen werde. Zum ersten mal in meinem Leben spielte ich das Trainerspiel und ich muss zugeben: Ich hab' als Trainer auf voller Linie versagt bei meinem relativ introvertierten "Pferd". Naja, ich denke die Erfahrung haben wohl schon einige gemacht...
Kerstin, Jimmy und Marlitt
Sonntag - der 3. Kurstag
Dinah's Zustand war deutlich besser als noch am Samstag. Sie schien ausgeruht und weniger gestresst zu sein. Dennoch wollte ich noch nach der Clickereinheit am Vormittag mit ihr abreisen, damit sie nicht wieder am Nachmittag abbaut.
In ihrem Theorieteil klärte uns Marlitt darüber auf, welch komplexe Aufgaben Pferde laut neuester wissenschaftlicher Studien bewältigen können, dass sie Gegenstände in Kategorien einordnen können und welche Gedächtnisspiele (Farbdiskrimminierung, Weich-Hart-Kategorie, Zählen) man daraus entwickeln kann, um seinen Vierbeiner ganzheitlich zu fördern. Es wurden viele Fragen gestellt und die Runde taute nun am 3. Tag voll auf und war äußerst diskutierfreudig.
Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt,
aber vielen bleibt es erspart.
Curt Goetz
Den Praxistag begannen wir mit einer Art Intelligenztest. Wir beobachteten die Pferde dabei, welche Lösungsstrategien sie verfolgten um einen Apfel aus einem Eimer Wasser zu bergen. Vom Austrinken des Kübels, über den Apfel zu Boden drücken um abzubeißen, bis hin zum Kübel umschmeißen war alles vertreten. Interessant war zu sehen, wie manche Pferde Unterstützung bei ihrem Besitzer suchten, andere dagegen sehr fokussiert und selbstständig ihr Ziel verfolgten. Für einige hingegen war die Aufgabe uninteressant, wie bei Dinah. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit lieber den Zuschauern, die herumstanden ;).
Marianne mit Pony Bernhard und Marlitt
Die letzte Praxiseinheit mit Dinah verlief wunderbar ruhig. Sie war konzentriert bei der Sache und überhaupt nicht mehr schnappig. Marlitt gab mir Feedback, woran ich in Zukunft mit ihr arbeiten könnte. Ich soll mehr an der Distanz arbeiten, Dinah mal auf der Matte abstellen bzw. zwischen Stangen parken, konsequent an meinem Trainingsplan festhalten und mich nicht immer wieder mal von ihr zu einem Kompromiss hinreißen lassen. Ebenso wäre es gut für uns Einheiten einzuführen, die ganz ohne den Clicker auskommen, stattdessen könnte ich das "konditionierte Zustandssignal" einsetzen. Aufpassen muss ich halt einfach, dass ich rechtzeitig bemerke, wann ihre Konzentration nachlässt - dazu haben wir ja Eindrücke bekommen, auf welche Indikatoren dabei zu achten ist.
Auf seine eigene Art zu denken ist nicht selbstsüchtig.
Wer nicht auf seine eigene Art denkt, denkt überhaupt nicht.
Oscar Wilde
Nach wenigen Minuten beließen wir es auch dabei und ich hab alles zur Abreise vorbereitet. Zum Verladen hatte Dinah nach den ereignisreichen Tagen erst mal keine Lust, legte immer wieder den Retourgang ein. Nach 20 Minuten machte ich mal eine Pause mit ihr und wir marschierten mal ein paar Runden am Reitplatz. Beim nächsten Anlauf konnte ich sie Schritt für Schritt in den Hänger clicken. Ich blieb einfach ruhig und sie sprang trotz großer Anspannung über ihren Schatten. Die Lärmkulisse setzte ihr zwar gewaltig zu, aber mit Leckerliduschen (Bananen) konnten wir sie gut bei Laune halten bis alles soweit fertig war, dass wir die Heimreise antreten konnten.
Im Heimatstall angekommen, konnte sie - denk ich - ihr Glück kaum fassen, dass sie wieder da angekommen war, wo sie zu Hause war. Schnurstracks ging sie zur Heuraufe und fing erst mal zu fressen an, weil sich die anderen Pferde außer Sichtweite hinterm Wald auf der Weide befanden. Erst etwas später registrierte sie die Pferde und stürmte im gestreckten Galopp die Weide hinab, lauthals wiehernd. Ein Echo von 3 Pferden war die Antwort.
Worte verbinden nur,
wo unsere Wellenlängen längst übereinstimmen.
Max Frisch
Erleichtert, dass alles gut gegangen war, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Wir kamen gerade noch rechtzeitig zum Essen und ich konnte mich am Nachmittag voll und ganz auf die anderen Teilnehmer konzentrieren. Mit einem weiteren "Intelligenztest" interpretierten wir gemeinsam mit Marlitt das Verhalten der Pferde auf komische Umweldeinflüsse (in dem Fall komisch herumtanzende und klatschende Besitzer) ohne sie zu ängstigen. Manche Pferde orientierten sich stark an den auditiven Signalen, andere wiederum nicht - die wirkten eher verunsichert. Die Reaktionen gaben uns auch entsprechende Hinweise auf die unterschiedlichen Lerntypen.
Die Begeistung ist groß
Nach und nach verabschiedeten sich am Nachmittag die Teilnehmer - viele hatten eine lange Heimreise mit und ohne Pferd zu bewältigen. In kleiner Runde ließen wir den tollen Kurs bei einem letzten Buschenschankbesuch ausklingen. Ich konnte unglaublich viel mitnehmen für uns und bin froh, dass der Kurs letztendlich sehr praxisbezogen und auf die angereisten Pferde abgestimmt war. Alle Kursteilnehmerpferde waren auf den Clicker konditioniert, entsprechend baute Marlitt auch die Praxis auf. Das hat mir sehr gefallen, denn so haben sich unsere Mühen mit unseren Pferden anzureisen ausgezahlt, und wir erhielten konkrete Vorschläge fürs Training zu Hause. Die allgemeinen Intelligenztests und Theorievorträge rundeten das ganze Bild noch ab.
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.
Friedrich Nietzsche
Marlitt's Einschätzung ist, dass es sich bei Dinah um einen taktilen Lerntyp handelt. Sie ist also äußerst maulfixiert, wie ich auch schon im Training festgestellt habe. Sie untersucht Gegenstände gerne mit dem Maul, was auch typisch für das Alter ist und ihre haptische Wahrnehmung ist unmittelbar mit ihrer Berührungssensibilität verbunden, und tritt auch dadurch zutage, dass sie meist engen Körperkontakt benötigt. Bei Stress wiederum kann sich diese Tendenz in Schnappen und noch engerem Körperkontakt äußern. Deshalb auch das Distanztraining.
Andererseits kann ich diese Veranlagung sehr gut im Alltag nutzen. Dinah's Berührungssensibilität überträgt sich darauf, dass sie Gegenstände gerne ins Maul nimmt (Tricktraining) und auf taktile Signale und Targets leichter als manch anderes Pferd reagiert. Dementsprechend kann ich sie gut dabei unterstützen, weil sie diese Signale von mir meist gut annehmen wird.
Weil moderne Erziehung so selten von großer Hoffnung beseelt ist,
wird so selten ein großes Resultat erreicht.
Bertrand Russell
Ich habe Marlitt als tolle Trainerin kennengelernt, die individuell auf jedes Pferd-Mensch-Paar eingeht, Ausbildungsstände berücksichtigt und mit ihrem Analyseblick immer wieder für verwunderte Blicke gesorgt hat. Sie sieht unglaublich schnell, in welchem emotionalen Zustand sich ein Pferd befindet und hat sich immer bemüht, das auch den interessierten Zuschauern zu vermitteln. Ich hoffe wirklich, dass wir es schaffen, sie wieder nach Österreich zu holen. Es war durch und durch ein tolles Wochenende. Nur eines fand ich schade: Aufgrunddessen, dass ich mit Pferd dabei war (ich war ja immer wieder mal eingespannt), hab ich von einigen Pferd-Mensch-Paaren sehr wenig mitbekommen und dementsprechend entgingen mir auch Marlitt's Interpretationen. Aber gut, man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen...
Mein Mäderl und ich - unser erster Ausflug (Foto von Verena Rieger-Ziegler)
Ich durfte tolle neue Leute kennenlernen, die den Kurs zu einer runden entspannten Angelegenheit gemacht haben. Ich danke allen, die dazu beitrugen, dass der Kurs zustande kam und alles so planmäßig verlief. Natürlich bin ich megastolz auf meine Madame, die im Großen und Ganzen toll mitgemacht hat für ihren ersten Kurs ganz alleine auswärts. Ich hoffe, dass es mir gelingt viel von den Ansätzen daheim umzusetzen und die Reaktionen meines Pferdes seiner Natur entsprechend zu deuten, um uns Missverständnisse im Alltag zu ersparen.
Auf die HP von Marlitt möchte ich hier nochmal explizit hinweisen: www.pferdsein.de
Und weils grad dazu passt: Ein Beitrag von Marlitt zur Intelligenz des Pferdes hier.