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Das konditionierte Zustandssignal

Ein neuer Aspekt, den Marlitt uns beim Kurs vorstellte, war, ein neues Signal zum Clickerlaut zu konditionieren, mit welchem man das Pferd bestärken kann, ohne dass es sich dabei in Trainingsstimmung begibt und zB immer wieder etwas anbietet.

 

Bei Dinah hab ich mir schon öfter drüber Gedanken gemacht, wie ich denn die Brücke zwischen "Arbeit mit Futterlob" aber ohne den aufputschenden Nebeneffekt des Clicks schlagen soll. Darauf, ein 2. Signal als sekundären Bestärker zu konditionieren, wäre ich wohl nicht so schnell gekommen. Jetzt stellt sich natürlich so mancher die Frage, wieso noch ein zusätzliches Signal in den Alltag einführen? Wenn ich den aufputschenden Effekt des Clicks (der ja nicht zwangsläufig bei jedem Pferd gleich ausfällt) nicht haben möchte, belohne ich halt ohne Click. Stimmt, so könnte man es auch machen. Allerdings werden alle, die ein sehr futterorientiertes Pferd ihren Partner nennen, die Problematik nachvollziehen können, die sich dadurch wieder ergeben könnte. Nämlich Betteln.

 

Seitdem ich clicke, gibts bei uns Futterlob ausschließlich nach dem Click. So nebenbei ohne Ankündigung wird nichts gestopft, da bin ich konsequent um ein neu aufflammendes Bettelverhalten gar nicht erst zu begünstigen. Ohne die Haflingerrasse jetzt denuzieren zu wollen, aber ihre Vertreter sind doch in den meisten Fällen sehr futterorientiert und dazu noch unheimlich fokussiert und hartnäckig im Verfolgen dieses Ziels.

 

 

Jedenfalls ist es besser,

ein eckiges Etwas zu sein als ein rundes Nichts.

 

Friedrich Hebbel

 

 

Es bietet sich also an ein Signal zu etablieren, welches soviel aussagt wie: "Genau das, was du machst, gefällt mir. Mehr möchte ich nicht haben." Man vermeidet damit quasi ein neuerliches Aktiv-werden des Pferdes und muss dennoch nicht auf den äußerst effektiven primären Bestärker Futter verzichten.  Man belohnt das Pferd für den momentanen Zustand, in dem es sich befindet, daher auch der Begriff "konditioniertes Zustandssignal".

 

Dieser Ansatz hat mich begeistert. Wie aber beginnt man damit im Alltag? Zuerst ist es wichtig, das neue Signal - in unserem Fall ist es ein "SchSchSch" -  klassisch zu konditionieren. Sinnvoll ist es damit beispielsweise am Putzplatz zu beginnen. Sobald sich das Pferd in einem entspannten Gesamtzustand befindet, ertönt das neue Signal und ganz beiläufig erhält das Pferd ein Futterlob. Ziel ist es an das neue Signal auch einen bestimmten Gemütszustand zu koppeln, den man ja zwangsläufig mitbestärkt. In unserem Fall ist es die Entspannung. Entspannung ist eben nicht mit "Hochspulen" vereinbar. Dabei achte ich bewusst drauf, dass Dinah nicht aktiv ist, wenn das Signal ertönt. Wiederholt man diesen Vorgang immer wieder, so wird sich das im Pferd abspeichern.

 

 

Eine Idee, die anregen soll,

muss zu dem Einzelnen kommen mit der Wucht einer Offenbarung.

 

William James

 

 

Zukünftig kann ich dann das Signal auf Situationen im Alltag umlegen und beliebig einsetzen. Ich gehe zB Spazieren und möchte mal so nebenbei das Pferd bestärken, wenn aus auf meiner Schulterhöhe dahinschreitet, oder eben auch beim Putzen am Anbindebalken, wenn ich es einfach mal für ruhiges Dastehen belohnen möchte, ohne, dass die Stimmung in den To-Do-Modus umkippt. Gerade bei Pfeden, die gerne mal etwas übermotiviert sind, hat man damit die Möglichkeit die Luft aus der Erwartungshaltung nehmen. Jedenfalls scheinen die Anfänge bei uns vielversprechend zu sein und ich werde das bestimmt weiterverfolgen...