April 2009
Ende September 2009
In letzter Zeit hat sich viel bei uns getan! Wie ihr vielleicht schon gelesen habt, wird bei uns mittlerweile alles positiv bestärkt. Dieses Konzept der Erziehung, des Formens und des Lernens hat mich vollends überzeugt und ich freue mich jedes mal, wenn Klein Dinchen auf mich zugerannt kommt in Erwartung großer Taten und vieler Leckerchen ;) Ihre spitzen Ohren und ihr wacher Blick sagen mir, dass sie es kaum erwarten kann. Sie ist seitdem wie ausgewechselt und gar nicht mehr wieder zu erkennen, was ihre Konzentrationsfähigkeit und Bemühungen angeht. Und auch ich habe mich wieder einmal auf eine Grundsatzentscheidung mit dem CT eingelassen, die ich mit meinem Pferd entweder voll und ganz lebe, oder gleich bleiben lasse. Ich habe mich für ersteres entschieden.
Wenn du nicht weißt, wohin du gehst,
wie willst du jemals dort ankommen?
Basil S. Walsh
Nach einem regen Erfahrungsaustausch im Clickerforum und den damit geknüpften Bekanntschaften ergab sich schon das ein oder andere Treffen. Für mich stellt das eine wahre Bereicherung dar – unter Gleichgesinnten erfährt man viele Tipps und Inspirationen und bekommt nebenbei ein objektives Urteil darüber, was man alles falsch macht bzw. besser machen könnte. So konnte ich durch ein Steigern der Clickerrate und das Abstellen des „Leerclickerns“ (= Click ohne darauffolgende Belohnung), welches sich durch ein Missverständnis bei uns eingeschlichen hatte, Dinah endlich den Frust ersparen, der sich immer wieder bei ihrer Übermotivation angestaut hatte. Seitdem hat sich unser Training zusätzlich zum Positiven gewandelt und Dinah’s Eifer ist steigt und steigt und steigt. Sie bietet mir schon so viele Sache an, und bemüht sich redlich bei allem, was ich ihr abverlange.
Besonders schön ist die Entwicklung, dass Dinchen mittlerweile selbstständig aus der Fressgasse ausparkt, wenn sie mich hört, immer öfter von der Koppel angetrabt kommt, wenn ich sie rufe und das Halfter förmlich schon selbst anzieht. Sie steckt voller Tatendrang und kann es oft gar nicht erwarten, sich ihre Belohnungen zu verdienen. Das ist mir davor, als ich noch nach PNH gearbeitet habe, verwährt geblieben – dieser Enthusiasmus und diese Freude.
Menschen stolpern nicht über Berge,
sondern über Maulwurfshügel.
Konfuzius
Neben den Dingen, die sie bereits mehr oder weniger kennen gelernt hat und die ich jetzt teilweise noch mal mit dem CT neu erarbeite, hat sie viel Neues gelernt:
Das Kopfsenken haben wir mittlerweile so installiert, dass sie auf Fingerzeig nach unten den Kopf bis zum Boden fallen lässt. Dinah bietet diese Dehnhaltung schon ganz oft von alleine an und wird dann auch von mir bestärkt, weil die damit verbundene Gelassenheit gut für sie ist. Jedesmal dehnen wir die Zeit, wo der Kopf unten bleiben soll etwas aus, bis der Click ertönt.
Kopfsenken auf Fingerzeig
Das Vorhand Kreuzen haben wir mit ganz wenig und vor allem gleichbleibendem Druck (Finger auflegen) erarbeitet. Links fällt ihr das Übertreten, während sie hinten nur einen kleinen Radius beschreitet, schon sehr leicht und wir sind schon bei 180°-Wendungen angelangt. Rechts herum tut sie sich noch etwas schwer, indem sie mit der Hinterhand noch ausfällt oder vorne nicht ordentlich kreuzt, aber es wir zusehends besser. Jeder kleine Ansatz in die richtige Richtung wird bestärkt. Allerdings halte ich mich gerade hier bewusst zurück - hin und wieder ein paar einzelne Tritte - damit Gelenke, Bänder und Knochen keinen Schaden davontragen.
Das Hinterhand Kreuzen kannte sie ja schon, aber hier wird sie gerne hibbelig und stressig, weil ich das früher offensichtlich zu druckintensiv erarbeitet habe. Hier werde ich wohl noch mal versuchen, Ruhe reinzubringen und ich möchte es später mit Hilfe des Hüfttargets neu erarbeiten.
Eines der wichtigsten Gesetze guten Benehmens ist
das fast gänzliche Verschweigen der eigenen Leistung.
Honoré de Balzac
Mit dem Mattentraining haben wir eine weitere Ergänzung zu unserer Zeit gefunden, indem sie die Bedeutung von Stillstehen lernt. Sinn dieses Trainings ist es, dass sie mit beiden Vorderbeinen auf einer Matte (zB Fussabstreifer) stehen bleibt bei ausdehnender Zeit. Durch eine hohe Clickerrate am Anfang soll dieser Ort für sie zur Oase werden, von der sie nicht mehr weg will und förmlich drauf klebt. Daraus möchte ich dann später einmal die sogenannte Statue – also dass ich mich von ihr entfernen kann, ohne, dass sie sich vom Platz bewegt – etablieren. Bis dahin ist es noch sehr weit, aber wir haben zumindest mal damit begonnen.
Verladetraining stand auch schon auf unserem Stundenplan. Mit dem Clicker stand Dinah innerhalb von 20 min. im Hänger - ohne, dass ich einmal versucht war, Zug aufs Halfter auszuüben. Am nächsten Tag noch mal geprobt und siehe da – Pferd lässt sich schon mal problemlos verladen. Natürlich müssen wir das noch viele Male festigen und ausbauen, aber der Anfang ist einmal gemacht. Ziel soll ja mal sein, dass das Pferd allein einsteigt und auf Signal wieder aussteigt. Aber davor muss erst mal die Zeit im Hänger verlängert werden oder auch das Entspannen beim Schließen der Lampe sitzen.
Für das Können gibt es nur einen Beweis:
das Tun.
Marie von Ebner-Eschenbach
Targettraining
Targettraining bezeichnet das Anstupsen bzw. Folgen eines Targets (= Ziel). Dinah folgt bereits dem Targetstick und meiner Faust – dem sogenannten Handtarget - in alle Himmelsrichtungen - ausbauen möchte ich noch die Dauer des Targetkontakts. Mit diesem Werkzeug schaffe ich es auch schon meistens, ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, wenn sie mal zu sehr abschweift. Zukünftig möchte ich noch das Stimmkommando "Touch" einführen und zur Abwechslung auch noch das Frisbee hinzuziehen, damit sie auch lernt einem Gegenstand zu folgen, wenn ich ihn Schritt für Schritt wegwerfe. Das bringt Spaß und schult das Timing.
Schwimmnudeln? Null Problemo...
Dinah steigt mittlerweile auf eine Podest und schlüpft bereits durch einen Kreis aus Schwimmnudeln. Drüber, drunter und zwischendurch kein Problem. Immer wieder mal streiche und klopfe ich sie auch damit ab, um sie gelassener und weniger sensibel gegenüber diesen Einflüssen zu machen. Flattervorhang ist auch kein Problem – nie gewesen ;)
Vorwärts und Anhalten auf Stimmkommando wird auch immer besser. Momentan ergänzen wir das Ganze noch mit der tiefen Kopfhaltung. Es wird immer besser...bei mir auch ;o)
Ich bin stolz auf die kleine Maus – sie hat wahnsinnige Fortschritte gemacht und an Vertrauen und Selbstsicherheit gewonnen. Man merkt ihr förmlich am Gesichtsausdruck an, wenn ihr das Licht aufgeht. Und das schönste von allem ist, dass sie mich mittlerweile ohne Strick und Halfter auf Schritt und Tritt begleitet, dass die Freiarbeit dadurch in unseren Alltag Einzug halten konnte und sie mir damit beweist, dass ich mich für den richtigen Weg entschieden habe.
Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.
Platon
Mit dem System der ganz kleinen Schritte lassen sich immer wieder neue Dinge an die alten Lektionen anfügen, so dass man einfach immer spannend bleibt. Gerade die alltäglichen Dingen, die ich schon als „fertig“ betrachtet habe, lassen sich durch das CT noch mal verbessern, verfeinern und neu erarbeiten.
Apportieren ist eines der Dinge, die Dinah noch lernen soll
Kreativität fördern
Meist arbeiten wird gerade an den Dingen, die sie aktuell vor ein Problem stellen - jedes Problem sehe ich als Möglichkeit an einer neuen Aufgabe zu arbeiten und dazu möchte ich keine Chance ungenutzt lassen.
Wer hohe Türme bauen will,
muss lange beim Fundament verweilen.
Anton Bruckner
Gerade was das Alter betrifft - immerhin ist Dinah ja erst eineinhalb - sind die Meinungen oft gespalten. Wieviel kann, soll und darf man mit so einem Pferd machen? Also, in erster Linie darf sie ihre Jugend genießen! Aber, wenn sie selbstständig anbietet mitzumachen in freudiger Erwartungshaltung, dann nehme ich diese Einladung auch an. Gerade jetzt! Wenn man die Dinge so aufbaut, dass sie sie auch verstehen kann, sie dabei nicht überfordert und sie laufend Erfolgserlebnisse und positives Feedback erhält, spricht meiner Meinung nach nichts dagegen sie spielerisch an ihre späteren Aufgaben heranzuführen, wenngleich man natürlich die körperlichen Belastungen objektiv einschätzen muss. In Zeiten des PNH waren Hemmungen diesbezüglich viel größer, weil hier ein anderes Lernkonzept dahinter steckt - eines, das nicht solchen Spaß macht und oftmals mit "Zwang" einher geht!
Ohne Begeisterung,
welche die Seele mit einer gesunden Wärme erfüllt,
wird nie etwas Großes zustande gebracht.
Adolph Freiherr Knigge