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Zu Gast bei den goldenen Pferden mit dem goldenen Herzen

Ebbs hat zur Haflingerweltausstellung 2010 geladen und wir - Nadja und ich - sind neben knapp 50.000 anderen Schaulustigen aus aller Welt dem Ruf gefolgt. Als Haflingerfan muss man sie einfach mal gesehen haben: Die Haflingerweltausstellung. Zum 5. Mal ging das Riesenevent heuer über die Bühne und es war wahrhaftig ein Augenschmaus für all jene, die sich dieser Rasse verschrieben haben. Wer hier schwere Pferde mit einem Stockmaß von 1,40 m erwartet hat, wurde enttäuscht. Hochmoderne Pferde mit teilweise überragendem Bewegungspotential begeisterten die Menge. 715 Haflinger aller Altersklassen, sowohl Stuten als auch Hengste wurden in den 5 Tagen vom 2. bis zum 6. Juni gemustert, bewertet und prämiert. Natürlich nutzten die Tiroler ihren Heimvorteil und waren stets an den vordersten Rängen und auf dem Siegertreppchen anzutreffen. So überrascht es auch nicht, dass zum 3. mal in Folge der Hengst des Fohlenhof Ebbs "liz. Abendstern" den Titel „Weltsiegerhengst“ erringen konnte. Der 15-jährige Vorzeige-Haflinger begeisterte die Richter, indem er nach wie vor das Ideal in Schönheit, Typ und Bewegung verkörpert. Zur Weltsiegerstute wurde "Alexandria" gekürt.

Impressionen vom Fohlenhof

Im strömenden Dauerregen angereist, drohte die Veranstaltung anfänglich in Schlamm und Wasser zu versinken. Als wir die Ausstellung am 2. Tag besuchten, hatte man bereits die ganze Nacht damit zugebracht, die Boxenzelte und Vorführringe begehbar zu machen.

 

 

Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE.

 

Friedrich Nietzsche

 

 

3.6.2010. Leider ließ die Sonne noch auf sich warten und leichter Nieselregen begleitete uns durch den Tag. Wir marschierten durch die Gestütsstallungen und die Boxenzelte, wo sämtliche Gaststuten und -hengste untergebracht waren. Wahnsinn, waren das viele Pferde! Die Stuten - angefangen von Jährlingen bis hin zu Mutterstuten mit Fohlen - waren in einem einzigen riesigen Zelt untergebracht. Seite an Seite standen sie da in Ständern und warteten geduldig auf ihren Auftritt. Ich musste augenblicklich an Dinah denken und wie es ihr wohl hier drinnen ergehen würde - angebunden und alleingelassen zwischen all den anderen?

 

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Die Mutterstuten waren mit ihren Fohlen in kleinen Holzverschlägen untergebracht. Immer wieder mal erblickten wir ein Fohlen ohne Mutter in den Verschlägen. Nach anfänglicher Verwirrung, merkten wir bald, dass ihre Mütter gerade auf den Weg in den Vorführring waren. Ohrenbetäubendes Wiehern der kleinen Zurückgelassenen und verzweifelte Versuche hinterherzukommen ließen mich über die Kehrseite eines solchen Schönheitswettbewerbs nachdenken. Mir taten die kleinen Kreaturen so leid, wie sie mit weit aufgerissenen Augen da standen und nach ihrer Mama weinten. Helfer versuchten die Kleinen zu beruhigen - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Sicher ein alltägliches Schaubild.

Wieder draußen, war die Luft durchlöchert von Stutengeschrei. Mütter, die nach ihren Fohlen riefen und teilweise aufgebracht herumwirbelten, Stuten die auf das Balzgehabe eines Hengstes antworteten. Natürlich sieht man hierbei nicht nur faire und schöne Szenen - aber "Der Zweck heiligt die Mittel" war wohl das Leitmotto einiger Aussteller. Wir schlenderten durch die Stallungen des Fohlenhofs. Zwar sind die Pferde in geräumigen Boxen untergebracht, aber beißender Ammoniakgestank zeugte von einer schlechten Durchlüftung in einigen der Stutenställe. Ob das eine Ausnahmesituation war? Wir wissen es nicht.

 

Weiter gings ins Hengstzelt, wo die Gasthengste aufgestallt waren. Box an Box warteten große Namen der Haflingerszene auf ihren Auftritt. Aufgebrachte Hengste versuchten mit Imponiergehabe ihre Boxennachbarn einzuschüchtern und andere dösten friedlich vor sich hin. Sie sind den Trubel schon gewöhnt und sämtliches Geschrei - von Stuten, Fohlen, Konkurenten - ließ sie unberührt.

 

 

Manche Hähne glauben,

dass die Sonne ihretwegen aufgeht.

 

Theodor Fontane

 

Und so nahmen wir in der Arena Platz und betrachteten ein Pferd nach dem anderen oder ganze Vorführringe voll mit Pferden - kurz gesagt: Massen an Pferde. Als Nicht-Züchter kann ich behaupten, dass man spätestens nach dem 200. Pferd einen Overload bekommt und nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Irgendwann sehen alle gleich aus und sowieso: Wir haben ja die Besten und Schönsten daheim im Stall stehen - da kann keiner mithalten - auch wenn ich als Besitzerin einer Haflingerine mit 3,125 % Blutanteil hierzulande sowieso als 5. Rad am Wagen gelte und keinerlei Chance auf einen "Miss Austria-Titel" hätte ;) Wie wurde Johannes Schweisgut nicht müde zu betonen: Alles, was wir hier sehen, wurde einzig und allein durch Pure Breeding erreicht...

So entschieden wir uns nach einem durchfrorenen Tag dazu, vorerst das Weite zu suchen um 2 Tage später wieder auf den Fohlenhof Ebbs zurückzukehren.

5.6.2010. Nachdem das Wetter tags zuvor von trübselig und herbstlich auf strahlend sommerlich umgeschwenkt war, suchten wir nach einem eingeschobenen Wandertag wieder den Fohlenhof auf. Diesmal platzierten wir uns schon in aller Früh in der Arena, um ja nicht die großen Namen der Haflingerszene in Aktion zu verpassen. Hengste in Generationenfolge, Hengstfamilien und Stutenfamilien wurden den Zuschauern präsentiert.

Wie bereits erwähnt, konnte sich bereits zum 3. Mal in Folge „liz. Abendstern“ als Weltsiegerhengst behaupten. Es ist gigantisch, mit welchen Meilenstiefeln sich die Haflingerzucht in den letzten 20 Jahren entwickelt hat. Vom kompakten genügsamen Arbeitspferd hat sich der Haflinger zu einem Allrounder im sportlichen Format mit edlem Gesicht und teilweise herrlicher Bewegung gemausert. Viele meinen, dass diese Entwicklung zu Lasten der Ursprünglichkeit, des Charakters und Temperaments dieser beliebten Rasse geht. Ich glaube, dass diese Leute nicht so falsch liegen könnten, aber davon werden wir uns in den nächsten Jahren eh überzeugen können. Ich persönlich mag das derzeitige Zuchtideal, auch wenn mich dafür viele steinigen werden ;)

Der Star des Tages: Weltsiegerhengst zum 3. Mal in Folge "liz. Abendstern"
Reservesieger "liz. Stainz"

Noch aber, hat der Haflinger seinen Ruf als Allrounder durchaus verdient, wovon wir uns beim Showprogramm am Abend überzeugen konnten. Mit über 30 Programmpunkten waren die 2,5 h wirklich ein Erlebnis für alle Haflingerfans. Die goldenen Pferde mit dem goldenen Herzen bestachen in beinahe allen Disziplinen, die die Pferdewelt zu bieten hat mit Charme, Leistungbereitschaft und Gelassenheit. Leider war bereits nach 5 Programmpunkten mein 2. Akku auch noch leer - der Tag dauerte immerhin schon 10 h - und so konnte ich nur einige wenige Eindrücke vom Beginn festhalten, was mir aber hinterher Arbeit ersparte ;) 

 

 

Tradition ist die Weitergabe des Feuers

und nicht die Anbetung der Asche.

 

Gustav Mahler

 

 

Jedenfalls wurde den Zuschauern der umfassende Einsatz des blonden Pferdes aus Tirols Bergen demonstriert. Stutenquardrille, Langzügelarbeit, Zirkuslektionen, Pferdefussball, Hengst-Einzeldressur, Pas de Deux, Ungarische Post, Westerreiten, Springvorführung, Kinderreitspiele, Gespannfahren in allen Variationen, Voltigieren und vieles vieles mehr begeisterten die Zuschauer und sorgten für Stimmung. Sogar das österreichische Bundesheer war mit seinen Haflingerpferden angereist und stellte den Haflinger als schussfestes unerschütterbares Truppenmitglied für den Ernstfall vor. Es war wirklich beeindruckend, auch wenn ich hoffe, dass wir sie nie brauchen werden! Auch wenn ich von mancher reiterliches Darbietung nicht so angetan war, so fügten sich die einzelnen Programmpunkte doch zu einem bunten Strauß voller Spannung, Spaß und Emotion zusammen. Wenn einer bis dahin noch nicht vom Charme der Blonden verzaubert war, dann spätestens jetzt.

sorgte für tobenden Applaus: die Voltigiergruppe des Fohlenhof Ebbs

Bepackt mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen verbrachten wir noch eine letzte Nacht in Tirol bevor wir die Heimreise antraten. Mittlerweile bin ich auch überzeugt davon, dass ich Dinah diesen Schaustress ersparen möchte. Nach all dem, was ich gesehen habe, möchte ich ihr das nicht antun und alles aufs Spiel setzen, was wir uns bis dahin aufgebaut haben, nur damit ich im Besitz eines Blattes Papier bin, das ihren Zuchtwert dokumentiert. Für mich ist und bleibt sie sowieso die Allerbeste und wenn es doch irgendwann mal eine Rolle spielen sollte, dann kann ich mir das ja noch immer überlegen. Bis dahin werden aber wohl noch einige Jahre vergehen...

 

 

Die Fassung der Edelsteine erhöht ihren Preis,

nicht ihren Wert.

 

Ludwig Börne

 

 

Nabucco