Anfang Juni 2010. Jemand, der meine Dinah nicht kennt und uns bei einer mehr oder weniger schlechten Trainingseinheit beobachtet, würde vielleicht meinen, dass er ein sehr dominantes Pferd vor Augen hat. Woher kommt diese Einschätzung? Wenn Dinah verunsichert oder gestresst ist, kann sie wirklich ungut werden und drückt ihre emotionale Verfassung schon mal mit Schnappen, Beißen oder Poltern aus. Aber wie gesagt, diese Gesten haben nichts damit zu tun, dass sie die Regeln unserer Partnerschaft in Frage stellt. Vielmehr sind sie Zeichen von Frust, Über- oder manchmal auch Unterforderung und geben mir unmittelbar ein Feedback über die Qualität des Trainings bzw. in welchem Gemütszustand sie sich befindet.
Seitdem in mir ein Umdenken zum Dogma der Dominanz und allseits hervorgehobenen Rangordnung stattgefunden hat, würde ich solche Verhaltensmuster niemals mehr unreflektiert als „In-Frage-Stellen-des-Status“ abtun und meiner Haflingerine ein dominantes Gehabe andichten. Aber wie komme ich zu dem Schluss?
Ein Mensch irrt in den entscheidenden Dingen seines Lebens
entweder immer oder nie.
Waldemar Bonsels
Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
Nun ja, Tatsache ist, dass ich weder Verhaltensbiologie noch sonst etwas in der Art studiert habe. Leider, weil interessieren tuts mich brennend. Jedenfalls verfüge ich weder über eine umfassende Ausbildung diesbezüglich, noch kann ich auf einen Erfahrungsschatz mit hunderten von Pferden zurückblicken, aus dem ich schöpfen könnte. Und trotzdem muss man nicht dumm sterben! Durch die unglaublich große Welt der Bücher und des Internets und durch Menschen, die über den theoretischen Background und die praktischen Erfahrungen verfügen und sich unermüdlich dafür einsetzen den Tierbesitzern zu mehr Bewusstsein und Wissen bezüglich dieser Thematik zu verhelfen, offenbaren sich einem hunderte Möglichkeiten sich auf diese Gedankenreise einzulassen. Und natürlich dürfen sie nicht unerwähnt bleiben: Die eigenen Beobachtungen und Eindrücke. Es reicht oftmals, wenn man mehr auf sein Gefühl hört als blind irgendein Schema F zu übernehmen.
Die Vernunft formt den Menschen, das Gefühl leitet ihn.
Jean-Jacques Rousseau
Wer schon etwas hier gestöbert hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich genau aus dieser Ecke komme. Alltägliche Gewalt an Pferden stand viele Jahre einfach an der Tagesordnung. So habe ich es vorgelebt bekommen und auch selbst gemacht. Damals als Kind stellte ich das nicht weiter in Frage. Floskeln wie „Lass ihm das nicht durchgehen!“ oder „Du musst dich durchsetzen!“ haben sich in mein Hirn gebrannt. Ständig stand im Vordergrund, dass ich der Befehlsgeber zu sein habe und das Pferd lediglich meine Anweisungen ausführen solle. Alles andere wurde nicht toleriert und mit mehr oder weniger hässlichen Methoden unterbunden um nicht zu sagen dem Pferd ausgetrieben – meist ohne den gewünschten Erfolg.
Wenn genügend Ressourcen da sind, bleiben Rangstreitigkeiten aus
Als ich soweit war, dass ich selbst zu denken begann und nicht mehr alles kommentarlos übernahm, wollte ich es besser machen. Allerdings stand auch auf meinem neuen Weg – dem des Natural Horsemanships – eines stets an erster Stelle: Die Klärung der Rangordnung und der unbedingte Gehorsam des Pferdes. Einerseits war ich geflasht davon, wie gut diese Taktik funktioniert, andererseits habe ich nach Jahren erkannt, was eigentlich wirklich mit uns geschah. Ich wurde wieder zum Offizier und mein Pferd zum Befehlsroboter, dem ich viele Möglichkeit nahm sich mir mitteilen zu dürfen. So zumindest lernte und praktizierte ich es, auch wenn ich es nie mit dem Ehrgeiz wie viele andere ausübte, wo einem das Pferd einfach nur leid tun kann. Es bedeutet auch nicht, dass ich bedachtes (!) NH verteufle, auch wenn es mir persönlich in der Realität noch nicht untergekommen ist. Ich mag mich nur nicht mehr dem einseitigen, vereinfachten Gedankenmodell, welches dahinter steht, anschließen. Folglich ergeben sich dadurch ganz andere Umgangsformen und Denkansätze im Alltag. Erst mit dem Clickern offenbarte sich mir ein Zugang, von dem ich die letzten 20 Jahre nur geträumt hatte. Anfangs war ich skeptisch über den – meiner Meinung nach – liberalen Umgang mit den Tieren. Auf einmal sollte ich meinem Pferd nicht mehr eins auf die Nase klatschen, wenn es nach mir schnappte? Wie sollte damit die Rangordnung geklärt werden, wie sollte ich meine Position gegenüber meinem Vierbeiner behaupten? Fragen über Fragen und erst mal hat mich die Fülle dieser für mich neuen Form des Umgangs erschlagen…
Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit.
Jean-Jacques Rousseau
Seitdem ist schon ein bisschen Zeit vergangen und ich kann nur sagen: So bereichernd war meine Zeit mit Pferden noch nie, und das obwohl ich mittlerweile auf jegliche Rangklärung wie ich sie früher betrieben habe, guten Gewissens verzichte. Dazu muss ich nun mal erklären, was ich unter Rangordnung verstehe. Eine Unterteilung in verschiedene Ränge ist ja keine schlechte Erfindung der Natur. Sie erfüllt den Zweck, dass innerhalb einer Herde die Zugriffsrechte auf Ressourcen (Futter, Wasser, Schatten, Geschlechtspartner) geklärt sind. Letztendlich ist alles eine Frage der Ressourcen. Sie entscheiden über Leben und Tod oder über das Weiterbestehen eines genetischen Fingerabdrucks. Es ist deshalb sinnvoll, dass eine Rangordnung das Überleben einzelner Individuen im Sinne der Gruppe begünstigt so nach dem Motto: Survival of the fittest.
Sylvia und Evita - Kraulen festigt die soziale Bindung. Man beachte das Putzergesicht, das Evita zeigt
Sind allerdings genügend Ressourcen vorhanden, dann kommt der Rangordnung nicht jene Bedeutung zu, wie in Zeiten, wo Ressourcen knapp werden – das haben Forscher bereits beobachtet. Nicht anders verhält es sich bei der Beziehung Mensch-Pferd. In der Pferdehaltung bestimmen wir darüber, was in welcher Form wie oft den Pferden zur Verfügung steht. Allein deshalb brauchen wir uns nicht als ranghoch zu behaupten und den Chef raushängen zu lassen. Wir sind es sowieso, die entscheiden, die, die Ressourcen verwalten. Außerdem vergegenwärtigen wir uns mal, was wir uns anmaßen, wenn wir von Rangordnung zwischen Mensch und Pferd sprechen. Wir halten uns weder 24 Stunden innerhalb einer Herde aus und sind Teil der Herdenstruktur, noch fressen wir den Pferden das Gras vor der Nase weg.
Wahrheiten, die man ganz besonders ungern hört,
hat man ganz besonders nötig.
Jean de la Bruyère
Man sieht also: Rangordnung ist nur in innerartlichen Verbänden präsent, rückt aber weite Ferne, wenn wir mit unseren Vierbeinern zusammen sind - soweit der Stand der modernen Wissenschaft. Ebenso verhält es sich mit der vielzitierten Körpersprache. Man muss sich mal ins Gewissen rufen, dass nur ein ganz geringer Zeitrahmen im Fohlenalter dafür zuständig ist, dass Pferde die Körpersprache ihrer Artgenossen verarbeiten, abspeichern und ein Leben lang deuten können. Man kann diesen Prozess nicht beliebig wiederholen - als Mensch wird man für sie immer "fremd" bleiben, nachdem uns ja zusätzlich auch einige Attribute wie zB der Schweif zur Kommunikation fehlen. Wir müssen also andere Wege finden, um uns unserem Vierbeiner mitzuteilen als einfach nur auf bedrohliche Gesten zurückzugreifen, die ja leider ihre Wirkung meist nicht verfehlen und den Menschen in seinem Tun bestätigen. Aber reagiert das Pferd wirklich, weil es uns mit einem sich aufbäumenden Artgenossen vergleicht, oder aus Angst oder Skepsis?
Die Statusverhältnisse innerhalb der Gruppe sind nicht alles andere als eindimensional
Zurückblickend und vorausschauend kann ich behaupten, dass bei uns viele Probleme nicht aufgrund der fehlenden "Rangordnung" entstanden sind bzw. entstehen, sondern aufgrund von Über- oder Unterforderung, Angst, Schmerzen (unangehmes Gefühl), Langeweile, Übermut, Frust oder auch einfach nur wegen fehlender Motivation ohne arglistige Hintergedanken oder der Absicht meine Stellung anzuzweifeln. Das heißt nicht, dass sich mit dieser Einstellung alle Probleme in Luft auflösen - man sollte sie nur nicht von Vornherein auf ein Rangordnungsproblem zurückführen.
Erfahrung heißt gar nichts.
Man kann seine Sache auch 35 Jahre lang falsch machen.
Kurt Tucholsky
Das Ziel ist: ein freundschafliches Miteinander mit klaren Regeln, die das Pferd im Laufe seiner Erziehung und Ausbildung kennen lernen und verstehen wird. Dazu bedarf es weder eines Dominanz-Gehabes noch eines diktatorischen Regimes. Ganz klar unter der Kategorie „nicht pferdegerecht“ einzuordnen ist das Herumscheuchen in einem Round Pen im Sinne eines Join ups. Hier hat das Pferd oftmals keine andere Wahl mehr als sich der Situation zu ergeben oder anzugreifen. Dadurch, dass ihm seine oftmals primäre bervorzugte Möglichkeit – die Flucht – der Gefahr zu entrinnen genommen wird, bleiben ihm 3 Alternativen übrig:
Erstarren, Aufnahme von Sozialkontakt in Form von Unterlegenheitskauen, Kopfsenken etc. und im schlimmsten Fall Kampf, wenn es sich in einer ausweglosen Situation befindet und sich der Gefahr nicht ergeben will. Nun kann sich jeder vorstellen, wie man dann aus der Wäsche schaut, wenn da 500 kg auf einen zugerannt gekommen im Kampf ums Überleben.
Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
Abgesehen davon, dass das Pferd sich dauerhaft in einer Konfliktsituation befindet, in der es sich in freier Wildbahn wahrscheinlich durch Flucht entzogen hätte und damit seinen Stress hätte abbauen können, ist es beim Join up einem Psychoterror ausgeliefert. Macht dies nun jemand, der die Signale des Pferdes nicht deuten kann und über das Ziel hinausschießt, so kann es zum Phänomen der erlernten Hilflosigkeit kommen und das Pferd gibt sich auf – das schlimmste, was einem Tier wie dem Pferd passieren kann!
Wer sich selbst nicht führen kann,
kann auch andere nicht führen.
Alfred Herrhausen
Aber auch die ständige Klärung der Rangordnung wie wir es zum Beispiel oft im Natural Horsemanship finden, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Allerdings hat sich das noch kaum irgendwo herumgesprochen. Stattdessen schießen immer mehr sogenannte Pferdeflüsterer aus dem Boden und predigen Rückwärtsrichten und Hinterhandweichen zur Festigung und Klärung der vemeintlichen Statusverhältnisse zwischen Mensch und Pferd.
Dieses Pferd hat sein Drohgesicht aufgesetzt
Komischerweise wird im Umgang mit Pferden oft davon ausgegangen, dass wir uns besonders laut und aggressiv artikulieren müssen, um unsere Absichten den Pferden begreiflich zu machen. Wenn man dann nachfragt, bekommt man zu hören, dass man sich eben derselben Mittel bedient, mit denen ein ranghohes Tier das rangniedrigere dominiert. Aber sind es wirklich nur derlei aggressive Interaktionen mit denen Pferde innerhalb eines Herdenverbands kommunizieren? Tatsächlich ist es nicht so, was ja auch der Natur des Pferdes als Fluchttier nicht zugute kommen würde.
Aus einem Irrtum wird keine Wahrheit,
auch wenn man ihn noch so weit verbreitet.
Aus einer Wahrheit wird kein Irrtum,
selbst wenn kein Mensch sie sieht
Mahatma Gandhi
Die Annahme, dass dies so ist, rührt daher, dass man in der Verhaltensforschung das Augenmerk Jahrzehnte lang nur auf agonistische Verhalten von Pferden untereinander legte. Agonistische Interaktion ist dadurch gekennzeichnet, dass die Pferde Stress, Erregung und vor allem Angst empfinden wie es zB bei offensiver Aggression, Drohen oder Flucht zu beobachten ist. Die hierbei gezeigten Verhaltensmuster dienen dazu, die Bedrohung räumlich/zeitlich aufzulösen. Hingegen wurde auf submissives Verhalten – Verhalten, dass den Rang des anderen deutlich akzeptiert - nicht/kaum geachtet. Hierbei wird vermehrt auf die einzelnen Bindungen der Pferde untereinander geachtet um ein komplettes Bild der Herdenhierarchie aufstellen zu können. Abstandsverringernde oder –erhöhende Aktionen, abwendende Blicke zählen zB zu dieser subtilen Verständigung und werden als ranggebend bezeichnet.
Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wieso uns Jahrzehnte lang suggeriert wurde, dass wir mit Pferden offensiv umgehen müssen um unsere Führungsqualität zu behaupten. Aber diese Erkenntnisse sind veraltet und sollten nun endlich aus unserem Alltag verschwinden. Mittlerweile sind sich die Verhaltensforscher einig, dass ein harmonisches Herdenleben vor allem von freundschaftlichen Banden dominiert wird, und dass es die Rangordnung als solch vereinfachtes Konzept, wie es jahrzehntelang behauptet wurde und noch wird, nicht gibt. Stattdessen handelt es sich bei einer Herdenstruktur um einen dynamischen Prozess, um fluktuierende Aufgabenteilung und vor allem um persönliche Vorlieben. Diese Erkenntisse sollten uns zum Nachdenken bewegen.
Dinah, Juli 2010 (Foto von Steffi Doppler - Danke!)
Es ist nicht nötig, dass man sich als autoritärer Herrscher beweist, der sich durch gewaltsame Übergriffe oder Anschreien den Respekt seines Pferdes verdienen will. Autorität im Sinne von Kompetenz ist das Mittel der Wahl. Aus dem Buch von Dr. Barbara Schöning "Pferdeverhalten", das mich übrigens zu diesem Text inspiriert hat, möchte ich folgenden Satz zitieren: Wissen ist Tierschutz. Und so ist es. Wir müssen uns lediglich informieren, um Kompetenz zu erlangen – dann gelingt uns auch ein Umgang mit unseren Vierbeinern, der sich fernab von Schlägen und Brüllen abspielt. Und dazu bedarf es viel mehr, als gut reiten zu können. Haltung und Gesundheit spielen ebenso eine ganz entscheidende Rolle wie die richtige biologische Lernstrategie. Unter Stress oder Angst ist Lernen einfach nicht möglich – die Gehirnareale, die zum Abspeichern von Information notwendig sind, sind schlichtweg blockiert. Das schließt zB aus, dass Pferde durch Schläge etwas lernen. Das einzige, was wir ihnen vermitteln ist, Angst vor uns Zweibeinern zu haben.
Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.
Ralph Waldo Emerson
Menschen nehmen es gerne persönlich, wenn Pferd wieder mal nicht macht, was man ursprünglich vorgesehen hatte. Schnell wird der eine oder andere ungerecht und gewaltsam und schleudert Phrasen in den Raum wie „Jetzt verarscht mich der Gaul schon wieder! Dem wird ich zeigen, wer hier das Sagen hat.“ Dazu muss man sich wieder und wieder ins Gewissen rufen, dass Pferde keinen Schimmer von unseren menschlichen Moralvorstellungen haben. Sie besitzen keine Tugenden und Untugenden. Sie handeln stets aus einem einzigen Grund: individuelle Zustandsoptimierung. Ob dies nun dadurch erfolgt, dass sie auf Bestärkung hoffen oder um Strafe zu entgehen – sie reagieren lediglich auf ihre Umwelt mit dem für sie vielversprechendsten Verhalten, was man auch im Laufe der Jahrtausende nicht rauszüchten konnte.
Ein Spiel unter Freunden
Verabschieden wir uns auch von der romantischen Illusion, dass Pferde etwas nur uns zuliebe machen, weil sie uns alles Recht machen wollen. Leute – glaubt ihr das wirklich, wenn ihr euch aus diesem Grund gegen die Verwendung des Futterlobs aussprecht? In dieser Hinsicht sind Pferde Egoisten und tun lediglich das, was sich für sie als lohnend erweist und ihre Bedürfnisse befriedigt - im Fachjargon spricht man von Steigerung der biologischen Fitness. Hierbei kann es sich durchaus auch „nur“ um Aufmerksamkeit und Bestätigung in Form eines verbalen Lobs handeln, oder deshalb, weil es an der Tätigkeit selbst Gefallen findet (Selbstbestärkung). Es kann aber eben auch in vielen Fällen die Angst vor den Konsequenzen bei Nichtausführen des Geforderten sein. Wie gesagt, was immer Pferd tut, es dient primär seiner eigenen Zustandsoptimierung und nicht der Befriedigung unseres Egos! Wenn Pferde auf bestimmte Handlungen von uns mit dem gewünschten (wie auch immer das aussehen mag) Verhalten reagieren, dann ist das in erster Linie auf Lernverhalten zurückzuführen und nicht auf die Akzeptanz eines höheren Status des Zweibeiners.
Unterschiedliche Ränge und trotzdem gemeinsame Fellpflege
Wir sehen also: Dominanz ist nicht der Weg zum Ziel. Selbst eine dominante "Leitstute" brilliert nicht dadurch, dass sie die Gruppe in Angst und Schrecken versetzt und ständig für Tumulte sorgt, indem sie ihren Status allen anderen ungefragt aufdrängt. Gerade ihr müssen die Herdenmitglieder vertrauen. Sie ist es, die vorangeht und neue Futterplätze aufsucht. Sie ist es, die dafür sorgt, dass die Herde jemanden hat, dem sie durch Dick und Dünn folgen kann. Hätte sie nicht ebenso viele Kompetenzen, was das Überleben an sich angeht, so wäre sie wohl ungeeignet für den Job. Denn nur, weil jemand böse schauen kann, heißt das noch lange nicht, dass er fähig wäre solch eine Verantwortung zu übernehmen. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen und uns um eine vertrauensvolle Partnerschaft bemühen, die auf gegenseitigen Respekt und Vertrauen beruht und nicht nur auf Unterwerfung.
Nur der Liebende ist mutig,
nur der Genügsame ist großzügig,
nur der Demütige ist fähig zu herrschen.
Laotse
Zur Ausbildung und Erziehung von Pferden – allgemein zum Umgang mit ihnen – gehört vor allem eines: Verständnis und Wissen. Wir müssen darüber Bescheid wissen, wie diese Lebewesen ticken, was sie zu ihren Handlungen motiviert, dann können wir das Miteinander auch so gestalten, dass wir auf jegliche Gewalt - sei es körperliche oder seelische – verzichten können. Die Devise lautet: Hinhören, Hinschauen, Einfühlen. Gepaart mit ein paar Regeln, die man mit Hilfe von gewaltlosen Lernstrategien durchaus aufstellen kann, ohne ein Sicherheitsrisiko eingehen zu müssen – kann es kein schöneres Geschenk geben, als wenn sich ein Pferd vertrauensvoll einem anschließt, weil es sich vom Miteinander etwas Positives verspricht. Hingegen müsste es für jeden Menschen das Schlimmste sein, wenn ein Pferd sich unterdrückt der Situation hingibt und nur mehr demütig Muster abspult, von denen es sich Ruhe und Frieden verspricht.
Dazu braucht es weder Dominanz noch Rangordungskämpfe. Es kann sich hierbei nur um ein Märchen handeln…
Ein Plädoyer gegen die alltägliche Gewalt in der Pferdeausbildung
Freundschaft und Partnerschaft statt Rangordnung und Dominanz (Bild von Steffi Doppler)
Kommentar schreiben
Kommentare: 2
karolin-evers (Donnerstag, 30 September 2010 16:35)
Schöner Text und in vielen Dingen stimme ich Dir vollkommen zu. Ich versuche meinen Kindern den partnerschaftlichen Umgang mit "ihren" Pferden zu vermitteln. Mich würde dennoch interessieren, wie Du es handhabst, wenn ein Pferd den Kopf ins Gras hängt und sich nicht mehr davon abbringen lässt, dass gute schmackhafte Gras zu fressen. Sicher, wie könnte man es ihm übel nehmen, für uns wäre es auch nur schwer möglich an Bergen unseres Lieblingssnacks vorbeizugehen ohne zuzugreifen. Warte gespannt auf Antwort. Liebe Grüße
Karo
Conny (Mittwoch, 17 November 2010 17:07)
Hallo Karo,
herzlichsten Dank für Dein Feedback. Deine Fragestellung kommt gerade richtig zu einem neuen Beitrag von mir:
http://knopflochblume.jimdo.com/mein-weg-mit-pferden/kurland-s-stricktechniken/
Alles Liebe Conny